Menü Schließen

FEI Dressage World Championship: Deutsche Equipe gewinnt Mannschafts-Gold im Lambertz-Preis




Abonniere den kostenlosen Newsletter von REITERZEIT.de

12.08.2026 Die erste bei den FEI World Championships Aachen 2026 gespielte Nationalhymne galt den Gastgebern: Mit einem Gesamtergebnis von 235,063 Prozentpunkten sicherte sich die deutsche Dressur-Equipe mit Katharina Hemmer, Raphael Netz, Frederic Wandres und Isabell Werth die Goldmedaille.

Ein paar Freudentränen kullerten bei Katharina Hemmer bereits Stunden, bevor sie als Mannschafts-Weltmeisterin auf dem Podium stand – auf der Schlusslinie ihres Grand Prix am Mittag. Bei ihrer WM-Premiere im Sattel ihres Denoix PCH gelang der 32-Jährigen eine Prüfung, die sie selbst, das Publikum und ihr Team restlos begeisterte. Bundestrainerin Monica Theodorescu riss nach dem Schlussgruß immer wieder die Arme in den strahlend blauen Aachener Himmel, Mentor und Ausbilder Hubertus Schmidt stand derweil sichtlich ergriffen da: Das Zuschauen, von dem er tags zuvor noch gesagt hatte, es sei nervenaufreibender als selbst zu reiten, wurde für ihn zur Sternstunde seiner Schülerin.

Der Weg zu von ihr bislang unerreichten 79,224 Prozent war eine eindrucksvolle Demonstration dessen, was möglich ist, wenn ein Pferd seiner Reiterin vorbehaltlos vertraut. „Purzel“, wie der 14-jährige Fuchswallach im Stall liebevoll genannt wird, hatte sich beim Betreten des eindrucksvollen Hauptstadions zunächst beeindruckt umgesehen. Katharina Hemmer aber blieb ruhig, klopfte ihm kurz auf den Hals und ritt konzentriert zur Grußaufstellung – eine mentale Leistung, die die Bundestrainerin später als „ganz, ganz stark“ würdigte. „Ich bin so stolz auf mein Pferd“, sagte Hemmer sichtlich bewegt. „Es ging immer mal wieder ein Ohr zur Seite, dann habe ich ihn mit meinen Hilfen angesprochen, und sofort war er wieder bei mir. Er hat heute alles für mich gegeben.“ Und dieses „alles“ zeigte sich in einem exzellenten Seitenbild, federnden Passagen, aktiven Piaffen, mühelosen Übergängen und präzisen Pirouetten – die Liste der Highlights ließ sich beinahe endlos fortsetzen.

Nachdem am Tag zuvor bereits Raphael Netz und Frederic Wandres souverän vorgelegt hatten, war es schließlich an der erfolgreichsten Reiterin aller Zeiten, Isabell Werth, für die deutsche Equipe den „Sack zuzumachen“. Wenn jemand mit Druck umgehen kann, dann die 57-Jährige – selbst dann, wenn ihre Erfolgsstute Wendy de Fontaine sich von der stimmungsvollen Kulisse doch ein wenig aufheizen ließ. Vielen sehr guten Lektionen stand am Ende ein Missverständnis in den Einerwechseln gegenüber: 79,876 Prozent lautete das Ergebnis. Damit stand die deutsche Mannschaft acht Jahre nach dem Triumph in Tryon (USA) abermals als Mannschafts-Weltmeister fest – das zehnte WM-Gold für Werth, das erste für ihre drei Teamkollegen. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, nach 20 Jahren erneut hier in Aachen zum Team zu gehören“, sagte Werth, für die diese Goldmedaille einen ganz besonderen Glanz hat.

Silber geht an Großbritannien, Bronze nach Dänemark

Auf den Silberrang ritt sich mit insgesamt 229,426 Prozentpunkten das Team aus Großbritannien. Carl Hester legte dabei im Sattel seines Fame souverän vor und ließ im Viereck keinen Punkt liegen (77,314 %). „Ich reite den Grand Prix jetzt seit 36 Jahren“, schmunzelte der Brite. „Aber es ist jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung.“ Sein kleines Erfolgsrezept hatte er am Morgen in der Hand: „Ich habe mir auf meinem Smartphone den besten Ritt meines Lebens angesehen und mir gesagt: Du musst es einfach noch einmal genauso machen.“ Dass sich sein 16-jähriger Wallach, der sich in der Vergangenheit gern auch schon mal ablenken ließ, in der imposanten Aachener Kulisse derart fokussiert zeigte, überraschte selbst den Routinier. „Es war ein tolles Gefühl zu spüren, dass die Atmosphäre ihn zu keinem Zeitpunkt aus der Konzentration gebracht hat. Es war, als wolle er sagen: Wir gehen da jetzt rein, machen unseren Job – so, wie wir es schon hundertmal gemacht haben.“

Auch Teamkollegin Charlotte Fry hatte allen Grund zur Freude: Gemeinsam mit ihrem Sportpartner Glamourdale steuerte die Doppel-Weltmeisterin von 2022 starke 80,311 Prozent zum Mannschaftsergebnis bei. Der lackschwarze KWPN-Hengst scheint von Jahr zu Jahr weiter zu reifen: Er wirkt heute noch losgelassener und souveräner, ohne dabei auch nur ein Quäntchen seiner Ausdrucksstärke einzubüßen – und insbesondere die letzte Mittellinie bewies eindrucksvoll, dass dieses Paar auch in den Piaffen immer sicherer die „Knöpfe“ findet. „Ich bin einfach nur happy“, sagte die 30-Jährige strahlend. „Glammy liebt Aachen, er liebt das Publikum. Es war einfach eine Freude, ihn heute hier reiten zu dürfen.“

Zum Team der Bronzemedaillengewinner aus Dänemark gehörte die Tagesbeste: Cathrine Laudrup-Dufour – sie, Team-Weltmeisterin von Herning 2022, und ihr Pferd Mount St John Freestyle, Team-Bronzemedaillengewinnerin der WM in Tryon 2018. „Wir haben beide schon WM-Erfahrung, jetzt machen wir es das erste Mal gemeinsam“, so Laudrup-Dufour. Und wie sie es machten. Die Souveränität, die von diesem Paar ausging, trug sie durch die gesamte Prüfung. Einzig ein kleiner Wackler im Übergang aus der zweiten Piaffe heraus trübte das Gesamtbild für einen kurzen Moment. Mehr war da nicht – und so standen am Ende herausragende 82,276 Prozent auf der Anzeigentafel. „Es sind faire Pferdeleute, die hier zuschauen. Sie honorieren gute Leistungen“, freute sich die Weltranglisten-Erste über die stehenden Ovationen nach ihrem Ritt, der – wie sie selbst sagt – hier und da noch kleine Stellschrauben offenbarte, an denen sie in den kommenden Tagen drehen möchte. „Aber für die erste Prüfung in dieser eindrucksvollen Arena bin ich wirklich sehr happy.“

Happy war auch ihr Teamkollege Daniel Bachmann Andersen, der bereits am Vormittag wertvolle Punkte für das dänische Team verbuchen konnte (74,876 %). Vier internationale Grand Prix-Prüfungen hat er im Sattel des Oldenburgers Flash Gordon bislang absolviert – und jedes Mal ein Schippchen draufgelegt: „Er hat so viel Ausdruck, Power und Elastizität. Aber eine Arena wie diese hat er noch nie gesehen“, so der 36-Jährige. „Ich habe mir gesagt, wenn er dich da drin zum Reiten kommen lässt, dann reite. Und er hat mich gelassen.“

Weiter geht es bei der FEI Dressage World Championship am Freitag mit dem MEGGLE-Preis, dem Grand Prix Special. Startberechtigt sind die besten 30 Athleten der Einzelwertung, präsentiert von LONGINES. In diesem Ranking schob sich der belgische Doppel-Europameister Justin Verboomen mit Zonik Plus (80,885 %) noch zwischen die beiden Team-Medaillengewinnerinnen Cathrine Laudrup-Dufour und Charlotte Fry und komplettierte damit die Top Drei.

Quelle: Pressemitteilung Aachen-Laurensberger Rennverein e.V.

Weitere News dazu: