26.10.2026 Wie aus dem bisherigen Turnierplatz des LONGINES PfingstTurniers Wiesbaden eine
topmoderne, leistungsfähige Rasenarena wird: Michel Poncelet von GREEN-CONSULT erklärt das
Konzept, Greenkeeper Burkhard Selzer berichtet von der praktischen Umsetzung.
Der Turnierplatz im Schlosspark von Wiesbaden-Biebrich ist historisch und einzigartig – aber die
vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der traditionelle Rasenplatz eine Sanierung braucht. Der
Wiesbadener Reit- und Fahr-Club (WRFC) rund um Präsidentin Kristina Dyckerhoff hat alle Hebel
in Bewegung gesetzt, um das möglich zu machen. Mit der Unterstützung von Land, Stadt und
Region konnte die Finanzierung gestemmt werden, mit der Firma GREEN-CONSULT wurde ein
maßgeschneidertes Konzept entwickelt. Kernpunkt des Konzepts: der vorhandene Boden wird
gezielt verbessert, statt komplett ausgetauscht. Michel Poncelet von GREEN-CONSULT begleitet
das Projekt fachlich, WRFC-Greenkeeper Burkhard Selzer setzt die Maßnahmen um.
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Herr Poncelet, was war das zentrale Problem des bisherigen Turnierplatzes?
Michel Poncelet: Nach dem Turnier im Juni 2025 mit den Problemen durch die großen
Niederschlagsmengen haben wir zunächst untersucht, warum der Boden das Wasser nicht
ausreichend ableiten konnte. Anschließend haben wir verschiedene Möglichkeiten geprüft. Ein
kompletter Neuaufbau wäre eine Option gewesen. Wir haben uns aber bewusst dafür
entschieden, den vorhandenen Boden zu verbessern. Das war technisch anspruchsvoller, hatte
aber große Vorteile – unter anderem beim Zeitplan und vor allem beim Schutz der vorhandenen
Bäume.
Herr Selzer, wie wurde dieses Konzept praktisch umgesetzt?
Burkhard Selzer: Nachdem der alte Rasen von der Firma Heuss auf etwa drei bis vier Zentimeter
abgefräst und die Fläche mit rund drei Zentimetern Sand versehen worden war, haben wir
zunächst mit einem Verti-Quake rund 40 Zentimeter tiefe Schlitze in den Boden eingebracht,
ungefähr alle 20 Zentimeter. Danach kam der Verti-Drain zum Einsatz. Damit wurden 16
Millimeter starke Löcher im Abstand von zehn mal zehn Zentimetern eingebracht. Der Sand
konnte dadurch nach unten rieseln und gleichzeitig wurden Wege geschaffen, über die das
Wasser abfließen kann.
Poncelet: Genau, diese Verbesserung der Wasserdurchlässigkeit war eines der wichtigsten Ziele.
Gleichzeitig wollten wir die vorhandenen Bodenschichten möglichst erhalten und nicht alles
herausnehmen und neu aufbauen.
Selzer: Deshalb wurde anschließend noch einmal mit kleineren „Spoons“ gearbeitet. Dabei
entstand ein Lochbild von etwa fünf mal fünf Zentimetern bis ungefähr 15 Zentimeter Tiefe.
Insgesamt haben wir so ungefähr vier Millionen größere und kleinere Löcher in den Platz
eingebracht. Vereinfacht gesagt: Der Platz ist jetzt praktisch durchlöchert.
Die Fläche wurde jeweils abgeschleppt, sodass der Sand in die Löcher gelangte. Dadurch kann
das Wasser jetzt prima ablaufen und die Wurzeln können sich gut nach unten verfestigen.
Was ist mit der noch vorhandenen Rasentragschicht passiert?
Selzer: Die rund zehn Zentimeter starke vorhandene Rasentragschicht konnte erhalten bleiben.
Der restliche Sand, der nicht in die Schlitze und Löcher gerieselt ist, wurde mit ihr homogen
vermischt und die Fläche anschließend geglättet. Der vorhandene Aufbau musste also nicht
komplett erneuert werden, sondern wurde durch Sand und die verschiedenen
Bearbeitungsschritte gezielt verbessert.
Poncelet: Das war für uns ein wichtiger Punkt. Wir wollten eine technisch gute Lösung finden,
die gleichzeitig die vorhandenen Gegebenheiten berücksichtigt – und die natürlich jeden Baum
im Park schont. Die Wurzelsysteme wurden deshalb schon im Vorfeld detailliert untersucht und
die Arbeiten entsprechend vorsichtig durchgeführt.
Wie wird die neue Rasenfläche jetzt bis zum LONGINES PfingstTurnier 2027 gepflegt?
Selzer: Regelmäßiges Mähen ist ganz wichtig. Wir halten den Rasen aktuell bei sechs
Zentimetern Höhe, weil das bei der verwendete Grasart für das Wurzelwachstum optimal ist.
Dazu kommen verschiedene biologische Maßnahmen, unter anderem Düngung und
Biostimulanzien. Wir müssen außerdem sehr viel Laub, Eicheln und Kastanien entfernen –
teilweise per Hand. Über den Winter soll sich dann vor allem das Wurzelsystem entwickeln. Im
Frühjahr geht es wieder mit Mähen, Düngen und den weiteren Pflegemaßnahmen weiter.
Poncelet: Die fachgerechte Pflege ist entscheidend für den Erfolg eines Naturrasenplatzes.
GREEN-CONSULT wird das Platzwartteam deshalb bei der Auswahl geeigneter Produkte und bei
den agronomischen Maßnahmen unterstützen. Dabei setzen wir in Wiesbaden auf ein
Pflegeprogramm ohne Pestizide. Wir empfehlen diesen Ansatz grundsätzlich, da er zahlreiche
Vorteile bietet, und das Organisationskomitee in Wiesbaden war sofort begeistert von unserem
pestizidfreien Pflegeprogramm. Dieser Ansatz wird auch den vielen Menschen, die den Park das
ganze Jahr über nutzen, erhebliche Vorteile bringen. Bei meinen Besuchen ist mir aufgefallen,
wie viele Kinder dort Zeit verbringen. Das macht unseren umweltbewussten Ansatz umso
sinnvoller.
Herr Poncelet, was macht den Wiesbadener Platz für Sie besonders?
Poncelet: Der Turnierplatz in Wiesbaden ist ein historisches Wahrzeichen des Pferdesports. Seine
Lage ist einzigartig und mit keinem anderen Veranstaltungsort der Welt vergleichbar. Für GREEN-
CONSULT ist es deshalb eine echte Ehre, an seiner Sanierung mitzuwirken und das
Rasenpflegeprogramm bis zum Turnier zu begleiten. Im Team von GREEN-CONSULT sind wir
alle Agraringenieure und –ebenso wichtig– wir sind alle Reiter. Wir teilen eine echte Leidenschaft
für den Pferdesport und sind natürlich auch mit dem LONGINES PfingstTurnier in Wiesbaden
vertraut. Bisher haben wir die Veranstaltung noch nie persönlich besucht, aber wir werden 2027
auf jeden Fall vor Ort sein. Wir freuen uns sehr, Teil dieser prestigeträchtigen Veranstaltung zu
sein.
Herr Selzer – wie fühlt es sich an, wenn Sie jetzt auf den wachsenden, neuen Rasen schauen?
Selzer: Der Rasen sprießt schon sehr schön grün, und ich bin gespannt auf das Ergebnis beim
nächsten PfingstTurnier. Ich mache das sehr gerne, die Arbeit auf dem Platz macht mir viel Spaß.
Man könnte sagen: Die Vorfreude auf das PfingstTurnier wächst mit dem Grün.
Quelle: Pressemitteilung Wiesbadener Reit- und Fahr-Club e.V. / performance and passion
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