Die Pferdeohren

Gesundheit / Krankheiten

22.05.2014 Das Pferdeohr ist ein Wunderwerk. Für den Pferdekopf besteht keine Notwendigkeit sich nach hinten zu drehen, um zu hören, wo das Geräusch herkommt. Es muss nur das Ohr drehen und weiß woher es kommt. Über die Ohren sind bei Pferden auch Gefühle (Freundlichkeit, Angst, Wut) zu erkennen, die uns helfen, sie besser zu verstehen.

Wie ist das Pferdeohr aufgebaut?

Das Ohr besteht von außen aus der Ohrmuschel (Ohrklappe) und dem äußeren Gehörgang. Die Ohrmuschel fängt die Schallwellen ein und sammelt sie im äußeren Gehörgang, von dort werden sie zum Mittelohr übertragen. Die Gehörknöchelchen tragen es ans Trommelfell weiter und die daraus resultierenden Schwingungen gehen an das Innenohr. Das Innenohr, welches den Hörnerv, das Labyrinth und die Gehörschnecke beinhaltet, überträgt die Wellen in Nervenimpulse, die an das Hörzentrum des Gehirns gesendet werden.

Auch wenn Pferdeohren nicht so anfällig für Krankheiten sind, wie z. B. Hundeohren, so gibt es doch ein paar, die auftreten können.

PferdeohrenInsekteninduzierte Dermatitis

Diese Krankheit steht für eine Überempfindlichkeit gegenüber Mücken (Mückenstichen), die an vielen Stellen des Körpers auftreten, darunter an den Ohren. „Das Immunsystem wird durch den übermäßigen Speichel der Mücken angeregt“, sagt Michelle Abraham von der University of Pennsylvania School of Veterinary Medicine’s New Bolton Center. „Der Biss verursacht eine Immunreaktion, die zu einer entzündlichen Reaktion führt.“ Die Stellen, an denen die Mücken das Pferd gebissen haben, sind durch kleine rote Punkte erkennbar. Mit Insektenschutz, wie langanhaltendes Fliegenspray oder z. B. Fliegenmasken mit Ohrenschutz, kann die Überempfindlichkeit gut in den Griff bekommen werden. Ist das Pferd betroffen, kann mit einer oralen, entzündungshemmenden Behandlung etwas unternommen werden. Einige Pferde fangen durch die Empfindlichkeit an, ihren Kopf zu schütteln.

Zecken im Ohr

Einige Zeckenarten „ernähren“ sich im Ohr des Pferdes, was dazu führen kann, dass Pferde im Ohrbereich empfindlich und sensibel reagieren, und nicht gern Halter oder Zaumzeug tragen. Diese Zecken wandern bis in den Gehörgang. Hier sollte vorsichtig das Ohr untersucht und die Zecken entfernt werden. Bei Entzündungen ist es ratsam, einen Tierarzt hinzuzuziehen, der entzündungshemmende Mittel verabreicht.

Zum Schutz können Fliegenmasken verwendet werden, die auch die Ohren mit einschließen. Außerdem: Fliegensprays nutzen, das Weidegras kurz halten und das Tier von Waldflächen fernhalten.

Probleme am Luftsack

An der Rückseite der Rachens, in der Kehle, liegen die Eustachischen Röhren (Ohrtrompete), welche die Schallwellen aus den Ohren nehmen. Im Bereich der Kehle haben die Ohren einen zusätzlichen Luftsack, dessen Nutzen noch unbekannt ist. Es gibt verschiedene Theorien; eine ist, dass es dazu beiträgt, das Gehirn zu kühlen und die Atmung während des Trainings zu unterstützen.

Was auch immer der Nutzen ist, es können auch hier Infektionen entstehen. Die häufigste ist die Druse-Infektion, eine Infektion, bei der die oberen Luftwege durch das Bakterium Streptococcus equi befallen werden. Druse ist hochansteckend und gefährlich für das Pferd.

„Druse geht in die Lymphknoten rund um den Halsbereich. Wenn die Lymphknoten zu groß sind, behindern sie den Luftstrom. Sie können ein Abszess bilden und platzen, diese füllen dann den Luftsack mit Eiter“, sagt Abraham. Die Ablagerungen können zu chronischen Problemen führen, weil der Luftsack wichtige Aterien, Venen und Nerven enthält und es so sekundär zu einem Nervenproblem wird.

Wusstet Ihr, dass…. Pferde beim Grasen über den Boden und die Zähne Vibrationen wahrnehmen können, die durch den Kieferknochen an das Innenohr gesendet werden.

Tumore im Ohr

Sarkoide (auch Blutwarzen genannt) sind krebsartige Tumore, die Ohren verunstalten können. Was diese Tumore hervorruft ist noch nicht bekannt, aber sie sind mit Tumoren des Rinder Papillomavirus verbunden. Bisher ist dieser Virus aber noch nicht ausreichend erforscht. Wichtig ist, dass der Tumor frühzeitig entfernt wird. Er kann sehr groß werden und das Ohr umknicken.

Verlust des Gehörs

Es kommt selten vor, aber auch bei Pferden ist Schwerhörigkeit möglich. Pferde, bei denen Weißes hinter den Augen zu sehen ist, haben ein Gen in sich, dass zu Schwerhörigkeit führen kann. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass bei älteren Pferden das Gehör nachlassen kann. „Forscher untersuchen Tests, die den Hörverlust einschätzen können“, sagte Michelle Abraham. „Es ist etwas schwierig, aber wir haben mit Hörnerv-Tests den Hörverlust feststellen können.“

Laut den Forschern wird der Hörverlust aber keine große Auswirkung haben, da Pferde noch einige andere Sinne besitzen und sie sich auf die anderen Herdentiere verlassen können.

Fazit der Forscher

Abraham sagt, dass die Pferdebesitzer auf die Signale ihres Pferdes achten sollen, z. B. hängende Ohren oder Juckreiz können auch auf andere Probleme als die Ohren hindeuten. „Pferdeohren sind nur ein Werkzeug und können auf ein anderes körperliches Problem hinweisen.“

Quelle: University of Pennsylvania, VET