Wenn Pferde schlafen

Pferdewesen

Nach einem langen Tag freuen wir uns auf unser Bett. Schwer vorstellbar, dass sich unser Pferd über Späne oder Stroh als Bett freut, bzw. die meiste Zeit im stehen döst oder schläft.

Pferde sind Fluchttiere

Equiden (Pferde, Esel und Zebras) sind die einzigen Tiere, die im Stehen schlafen. Auf den Hufen stehend schlafen, soll nach Angabe der Abteilung für Naturwissenschaften der Florida Museum of Natural History eine frühe Entwicklung sein, um sich vor Raubtieren zu schützen. Als Beutetiere würde es den Pferden schwer fallen schnell genug zu fliehen, da sie zu lange zum aufwachen, aufstehen und weglaufen brauchen würden. Durch das Stehen haben sie einen Vorsprung.

Eine andere Theorie sagt: je länger sie stehen können, je mehr Gras können sie fressen, und liegend zu schlafen wäre zu schwierig bei dem schweren Körperbau.

„Pferde können und legen sich auch tatsächlich hin“, sagt Hilary Clayton, Dressur Lehrstuhl für Pferdesportmedizin der Michigan State University. „Wegen ihres Gewichts schlafen sie meistens aufrecht auf ihrer Brust. Auf der Seite liegend schlafen sie nur selten und höchstens 15 bis 20 Minuten. Junge Fohlen schlafen länger auf der Seite, aber sie haben auch nicht das Problem mit ihrem Körpergewicht“.

dösende Pferde
dösende Pferde

Weil Pferde so schwer sind, können sie sich nicht so lange hinlegen, es würde den Blutfluss stören. Deshalb haben einige Pferde auch unter Narkose Probleme. Außerdem benötigen sie nicht so viel REM (Rapid Eye Movement – REM-Schlaf – schnelle Augenbewegung) wie andere Tiere, sagt Katherine Houpt, Professorin für Verhaltensmedizin an der Hochschule für Tiermedizin, Cornell University, Ithaca, NY.

Als slow-wave sleep (SWS – Tiefschlafphase) wird bei Pferden die Phase bezeichnet, wenn sie im Stehen schlafen. „Die elektrische Aktivität im Gehirn ist groß und langsam, wenn das Tier in der SWS-Phase ist, also ist der Geist nicht sehr aktiv“, sagt Houpt. „Ist ein Pferd wach oder im REM-Schlaf, dann sind die elektrischen Aktivitätswellen kurz und schnell, d. h. eine ganze Menge mehr Neuronen sind bei der Arbeit. Dieser Schlaf ist tiefer, soweit es den Körper betrifft, weil alle Muskeln entspannt sind. Das ist auch der Punkt an dem Pferde träumen.“

Die Forscher können aber nicht sagen was passiert, wenn Pferde nicht genug des wichtigen REM Schlafs bekommen. „Es wurde noch nicht so gut erforscht, wie viel REM-Schlaf ein Pferd in der Nacht braucht“, sagte Houpt. „Wahrscheinlich sind es nur Minuten, aber weniger als eine halbe Stunde. Der SWS-Schlaf liegt sicherlich bei drei bis vier Stunden. Der Zeitraum für diese Schlafphase liegt meistens zwischen Mitternacht und 4 Uhr am Morgen und ist in kurze Nickerchen aufgeteilt. Pferde warten oft, bis sie ein frisches ´Bett` haben, bevor sie sich hinlegen.“

Die Art des Bettes macht den Unterschied: Pferde legten sich eher auf Stroh als auf Holzspäne, fanden die Forscher heraus.

Wie alles funktioniert

Pferde können im Stehen schlafen, weil ihre Muskeln, Sehnen und Bänder anders sind und mechanische Bewegungen ermöglichen. Ohne aktive Anstrengung und Energie aufzubringen, können sie ihre Gelenke in Position halten, sagt Clayton.

Damit Pferde stehen bleiben sind drei Sachen wichtig: der Halteapparat, der Verriegelungs-/Sperrmechanismus und der Reziprokel Mechanismus.

Die Aufgabe des Halteapparates ist es, dass gesamte Gelenksystem der Vorderläufe sowie der Fesseln, und Fesselgelenke der Hinterläufe zu stemmen. Diese Faserbänder übernehmen den Job der Muskeln zur Geradehaltung der Gelenke. Sie sind die Zugbänder, um alle Gelenke zu verbinden. Im Gegenzug zu den Muskeln, die aktiv sind und Ruhepausen benötigen, sind die Faserbänder inaktiv und benötigen daher keine Pausen.

Die heutigen Pferde haben eine Bizepssehne. Diese Sehne führt von der Oberseite des oberen Vorderbeinknochen bis zum Schulterblatt. Diese Sehne, zusammen mit der vom Trizeps und Ellenbogen ausgeführten Spannung, verhindern eine Flexion (Beugung) und das Einknicken der Vordergliedmaße. Durch die Unterstützung zwischen Fessel, Handwurzel (Knie) und Bänder wird eine Überdehnung des Beins verhindert.

Das Bein wird „verriegelt“

Die Hüften arbeiten ein wenig anders. Wenn das Pferd sein Gewicht auf ein Bein verlagert, kommt der Verriegelungsmechanismus zum Zuge (eine Funktion des Knies). Das belastete Bein wird sozusagen ‚festgestellt‘ und das andere Bein entlastet. Hierzu gehört auch noch der reziproker Mechanismus, der dem Pferd ermöglicht wechselseitig die Beine zu „verriegeln“, damit jedes Bein entsprechend entlastet werden kann.

„Die Patella (Kniescheibe) Bänder im Pferd bestehen aus drei Teilen. Nicht wie beim Menschen aus einer,“ erklärt Clayton. Die Quadrizeps (vierköpfiger Muskel, der das Bein streckt) heben die Patella-Bänder an und heben sie auf den Oberschenkelknochen. Wenn das Knie sich dann verschließt, bewirkt der Reziprokel Mechanismus (der für eine gemeinsame Bewegung des Knie- und Sprunggelenks sorgt), dass das gesamte Bein gespannt ist. Das andere Bein kann sich dann entspannt auf der Hufspitze ausruhen. Obwohl dieser Mechanismus dafür sorgt, dass weniger Energie zum Stehen benötigt wird, sind die Muskeln trotzdem aktiv. Das Pferd wechselt alle paar Minuten das Bein, um Müdigkeit zu reduzieren.

Der Hals des Pferdes senkt sich im Schlaf und wird vom Fesselträger des Halses (Nackenband) unterstützt.

Das Pferd bekommt so die Ruhe, die es benötigt.