Kolik bei Pferden

Gesundheit / Krankheiten

23.08.2016 Kolik – ein Begriff, den jeder Pferdemensch kennt. Doch wie genau kann es bei Pferden dazu kommen? Wie erkenne ich es, und was kann ich dagegen tun bzw. wie kann ich vorsorgen?

Leider macht fast jedes Pferd mindestens einmal im Leben eine Kolik durch. Viele haben Glück und es ist nur eine „leichte Kolik“, aber es gibt auch Fälle, da kommt der Besitzer um eine Operation nicht herum, oder im schlimmsten Fall ist das Pferd nicht zu retten und muss eingeschläfert werden. Eigentlich sind es ja „nur“ Bauchschmerzen. Doch wie kann ich die Anzeichen für die Bauschmerzen erkennen?

Symptome

Leichte Kolik-Symptome

  • scharren, stampfen mit den Vorderhufen
  • tritt, schaut oder beißt nach dem Bauch
  • läuft unruhig herum
  • legt sich oft hin und steht wieder auf
  • streckt sich, lässt aber keinen Urin ab

Je länger das Tier mit den Bauschmerzen zu kämpfen hat, desto schlimmer wird es und dementsprechend verschlimmern sich auch die Anzeichen.

Schwere Kolik-Symptome

  • wälzen
  • kann nicht mehr aufstehen
  • liegt auf dem Rücken
  • schwitzen
  • sitzt in Hundestellung
  • Augen und Zahnfleich gerötet
  • atmet sehr schnell
  • erhöhter Puls

Sollten diese Anzeichen bereits auftreten, dann wird es allerhöchste Zeit das Pferd in eine Klinik zu bringen.

Was kann ich tun um meinem Pferd zu helfen?

Sobald man Symptome einer Kolik feststellt, kann man selbst ein paar Dinge tun, um seinem Pferd zu helfen:

  • kein Futter geben, auch Heu und Stroh entfernen, allerdings genügend zu trinken anbieten;
  • mit dem Pferd alle halbe Stunde fünf Minuten spazieren gehen (in langsamen Tempo);
  • das Pferd aufmerksam beobachten: falls es sich wälzt oder wälzen will sofort den Tierarzt rufen;
  • Puls, Temperatur und Atem alle halbe Stunde überprüfen und notieren;
  • keine Medikamente geben, sonst kann der Tierarzt keine genaue Diagnose stellen.

Vorbeugende Maßnahmen

Der Magen-Darm-Trakt bei Pferden ist sehr anfällig und es ist schwer, Koliken zu vermeiden. Ein paar vorbeugende Maßnahmen sind z. B.:

  • mehr Weidezeiten;
  • weniger Korn im Futter des Pferdes;
  • ausreichende Mengen an Wasser und gutem Qualitäts-Heu zur Verfügung stellen;
  • Futtermengen über den Tag verteilen;
  • Futterumstellungen mindestens über einen Zeitraum von zwei Wochen durchführen;
  • wenn das Pferd auf Sand steht – nicht vom Boden fressen lassen, da es sonst immer Sand mit aufnimmt;
  • regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen einplanen;
  • der Einsatz regelmäßiger Entwurmung;
  • zunehmende Bewegung und die Veränderungen in der Ernährung langsam vornehmen.

 

Was ist nach einer Kolik-Operation zu beachten?

Bei einer Kolik kommt es leider häufig auch zu einer Kolik-Operationen bei Pferden. Aber was erwartet einen, nachdem das Pferd wieder aus der Narkose erwacht? Und was für Vorbereitungen sind im Stall zu treffen, wenn das geliebte Tier wieder nach Hause kommt?

Louise Southwood, Professorin für Notfall- und Intensivmedizin an der University of Pennsylvania School of Veterinary Medicine New Bolton Center, hat die Punkte und Erwartungen nach einer Kolik-Operation auf dem Kongress „World Equine Veterinary Association Congress“ in Guadalajara, Mexico vorgestellt.

Nach der Operation macht das Pferd einen Heilungsprozess durch. Southwood sagte, dass allgemein Antibiotika für 24 Stunden nach der Operation, und nicht-steroidale entzündungshemmende Medikamente für drei bis fünf Tage gegeben werden sollten, u. a. um Infektionen zu verhindern.

Beobachtung des Pferdes

Der Besitzer trägt eine große Verantwortung bezüglich des Heilungsprozesses, wenn das Pferd entlassen wird. Hier muss die Kommunikation mit dem Tierarzt stimmen. Damit der Magen-Darm-Trakt wieder einwandfrei funktioniert und die Körperwand vom chirurgischen Einschnitt heilt, sind folgende Punkte wichtig und sollten beobachtet werden:

  • Infektionen der Narbe und andere Fragen, wie z. B. Leistenbrüche.
  • Weitere Koliken, die leichter ausfallen, aber keine zusätzliche Hospitalisierung erfordern; dies kann bei 20 bis 50 % der Pferde auftreten. Hatte ein Pferd eine Kolik-Operation, können weitere Koliken auf interne Verwachsungen hinweisen.
  • Entwicklung von Hufrehe (dies tritt aber bei weniger als 1 bis 2 % der Fälle auf).
  • Das Pferde-Körpergewicht sollte konsequent gehalten werden (bzw. eine Gewichtszunahme forcieren, wenn das Pferd in Zusammenhang mit der Operation Gewicht verloren hat).
  • Verhält sich das Pferd normal? Bei ungewöhnlich ruhiger oder deprimierter Haltung könnten Komplikationen aufgetreten sein, die ein Tierarzt unbedingt untersuchen sollte.
  • Trinkt das Pferd ausreichend Wasser, nimmt es genug Nahrung auf und setzt es Kot ab?

Bewegung nach der OP?

Southwood empfiehlt, das Pferd nach der Operation die ersten vier Wochen im Stall zu halten, Spaziergänge an der Hand zu unternehmen und es nur an der Hand weiden zu lassen, damit die Naht vernünftig heilen kann. Danach, sagte sie, kann das Pferd für weitere vier Wochen auf eine kleine Koppel oder ein Paddock. Nach gut 10 – 12 Wochen kann langsam wieder mit dem Training begonnen werden, vorausgesetzt, der Schnitt ist ohne Komplikationen abgeheilt.

Pferd beim wälzen
Pferd beim wälzen

Viele Chirurgen verwenden resorbierbare Fäden, die nicht entfernt werden müssen, da sie sich von selbst auflösen. Verwendet der Chirurg jedoch Klammern, die den Einschnitt schließen, sollten diese nach 10 bis 14 Tagen entfernt werden. Vor und nach der Klammerentfernung, sagt Southwood, empfiehlt sie den Pferdebesitzern den Schnitt nicht zu reinigen, es sei denn, es käme z. B. zu einer Entzündung. In diesem Fall wäre der Tierarzt hinzuzuziehen. Ansonsten sollte der Heilungsprozess nicht gestört werden.

Wenn es um die Ernährung geht, können die meisten Patienten nach der OP wieder normales Futter zu sich nehmen. In einigen Fällen stellte Southwood fest, dass der behandelnde Chirurg ein modifiziertes Futter empfahl: z. B. zum Übergang etwas Öl hinzugeben, wenn das Pferd eventuell Gewicht verliert. In diesem Fall ist es wichtig, dem Rat des Tierarztes zu folgen, wenn es um die Ernährung des Pferdes nach der Operation geht.

Mehrere Forscher haben die Daten von Pferden in einer Studie ausgewertet, die nach ihrer OP wieder ins Training kamen. Nach sechs Monaten waren 68 % der Pferde wieder im Training, 56 % davon erreichten wieder ihr vorheriges Niveau. Nach 12 Monaten waren 76 % der Pferde zurück im Training. Southwood wies jedoch darauf hin, dass andere Faktoren, einschließlich zusätzlicher Krankenhausaufenthalt, Entwicklung von Hufrehe und anderen Komplikationen nach der Operation die Rückkehr ins Training verzögerten.

Diese Punkte sollen dem Besitzer helfen, falls es zu einem chirurgischen Eingriff kommt. Im Voraus zu wissen, was einen erwarten kann, kann dazu beitragen, dem Tier die bestmögliche Form der Genesung zu verschaffen, sagte sie.

Quelle: The Horse