Starkes Starterfeld beim CHIO Aachen 2022

Weltklasse in der Soers: Der CHIO Aachen 2022

20.06.2022 „Puh.“ Beim Blick auf die Konkurrenz beim CHIO Aachen, der am Freitag beginnt und bis zum 3. Juli dauert, musste Dressur-Superstar Isabell Werth erst einmal durchpusten. Bevor sie dann später noch ein Tränchen vergoss, diesmal nicht wegen der sportlichen Konkurrenz, sondern wegen eines bevorstehenden Abschieds. Gemeinsam mit den Organisatoren schaute die beste Reiterin aller Zeiten am Montagmittag auf das bevorstehende Weltfest des Pferdesports.

„Es ist ja kein Geheimnis, dass ich Dressur-Fan bin“ freute sich auch Stefanie Peters über den sportlichen Gast bei der Pressekonferenz. Die Präsidentin des ausrichtenden Aachen-Laurensberger Rennvereins e.V. (ALRV) schaut zudem voller Vorfreude auf die schönsten zehn Tage des Jahres, „wir spüren diese große Vorfreude auch bei den Menschen, endlich wieder einen CHIO Aachen erleben zu können, wie wir ihn alle kennen und lieben.“ 

Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, machte Michael Mronz, Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH (ART) deutlich. „Es liegen große Herausforderungen vor uns“, so Mronz. Der Reitsport sei stetig globaler geworden und „um den Stellenwert des CHIO Aachen zu halten und seine Stellung zu festigen, reicht es nicht, nur halbwegs gut durch die Corona-Zeit zu kommen“, sondern es müsse weiter investiert werden. Wichtigste Zukunfts-Themen für den CHIO Aachen seien hier der Ausbau des Engagements für die Jugend sowie die Integration des Para-Sports. Seit Jahren baut der CHIO Aachen auch den digitalen Bereich aus, „wir sind neugierig“, nennt Mronz das. So wird es in diesem Jahr ein neues Talk-Format geben, das auf den gemeinsam mit SAP getrackten Daten in den Disziplinen Springen, Dressur und Vielseitigkeit basiert. In die CHIO Aachen-App wird ein CO2-Fußabdruck-Rechner eingebaut und obendrein ist auch die Web 3.0-Technologie in der altehrwürdigen Aachener Soers angekommen. Bei der PK wurden erste Einblicke in das „CHIO AACHEN METAVERSE“ gewährt. Und auch davon profitiert der CHIO Aachen: Parallel zum Turnier wird in Aachen der Kongress „#neuland“ organisiert, bei dem rund 100 Top-Speaker zu den drängenden Gegenwartsfragen wie Digitalisierung und vernetzter Mobilität Stellung beziehen. Schwerpunkt des zweiten Tages: Sport und auch Pferdesport, hier wird es – passend zu den Zukunftsplänen des CHIO Aachen – neben der Nachhaltigkeit um Chancengleichheit gehen – zwischen Männern und Frauen, aber auch für Sportler mit Handicap.

Doch der CHIO Aachen ist und bleibt vor allem das: Weltklasse-Sport. An zehn Tagen, in fünf Disziplinen, vor 350.000 Zuschauern, in den berühmtesten Pferdesport-Arenen der Welt. Und auch anno 2022 haben sich die Besten der Besten angekündigt, die Teilnehmerfelder lesen sich wie das Who is Who des internationalen Top-Sports. Im Springreiten sind 16 Sportlerinnen und Sportler aus den Top 20 am Start, angeführt von der Schweizer Nummer 1 der Weltrangliste Martin Fuchs und Olympiasieger Ben Maher aus Großbritannien. Beide bringen ihre Top-Pferde mit, genauso wie Deutschlands derzeit bester Reiter Daniel Deußer, der versuchen wird, seinen Vorjahreserfolg im Rolex Grand Prix zu wiederholen. Deußer kommt nach seinem Erfolg beim „The Dutch Masters“ im niederländischen `s-Hertogenbosch zudem als Titelanwärter des „Rolex Grand Slam of Show Jumping“ nach Aachen. „Leicht wird’s nicht“, schmunzelte Deußer, der live zur PK geschaltet wurde. Er setzt dabei auf seine Stute „Killer Queen“, mit der er bereits 2021 in Aachen erfolgreich war – „sie fühlt sich auf dem großen Platz sehr wohl, warum nicht auch wieder in diesem Jahr“, so Deußer.

Bärenstark ist die Konkurrenz auch in der Dressur, das weiß auch Isabell Werth: „Das ist ein Starterfeld wie selten, es wird extrem schwer.“ Das gilt in der Einzelkonkurrenz, aber auch im Lambertz-Nationenpreis. „Wir werden uns sehr warm anziehen müssen, insbesondere die Dänen sind bärenstark“, blickt Werth dennoch freudig nach vorne. Sie ist die Rekordsiegerin im Deutsche Bank Preis, der Grand Prix Kür am Sonntag, in der Favoritenrolle sieht sie aber ganz klar Cathrine Dufour. Die Dänin ist Nummer 2 der Weltrangliste und in Abwesenheit der hochschwangeren Jessica von Bredow-Werndl wird ihr der Sieg allgemein am ehesten zugetraut. Doch in Aachen weiß man nie, „in der besonderen Atmosphäre des Deutsche Bank Stadions müssen Pferd und Reiter erst einmal bestehen“, so Werth, denn „diese Stimmung gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.“

Und dann vergoss sie doch tatsächlich bereits ein erstes Tränchen – als es um die bevorstehende Verabschiedung ihres „Herzenspferdes“ Bella Rose aus dem Sport ging. Am Freitagabend wird Bella mit einer Gala im Deutsche Bank Stadion gefeiert, zuvor drehen die beiden auch bei der Eröffnungsfeier (28.6.) ein letztes Ründchen im Hauptstadion. „Das wird schon emotional werden“, so Werth. Sprach’s, schniefte und brauchte schon bei der Pressekonferenz ein Taschentuch, um ein paar verfrühte Tränen zu trocknen.

Über die starken Starterfelder freut sich – na klar – auch Turnierchef und ALRV-Vorstandsvorsitzender Frank Kemperman. „Das ist schon Weltklasse“, so der Niederländer. Und zwar nicht nur im Springreiten und in der Dressur, auch im Voltigieren, dem Vierspänner-Fahren und der Vielseitigkeit sind die Allerbesten am Start. So gehen Deutschlands Olympiasiegerin Julia Krajewski, der SAP-Cup Sieger von 2021, William Coleman (USA), Weltmeisterin Rosalind Canter (GBR) und die dreifache SAP-Cup Siegerin Ingrid Klimke (GER) in den reiterlichen Dreikampf um den SAP-Cup. Klimke ist übrigens zudem im Dressur-Team (Kemperman: „Eine Reiterin in zwei Disziplinen im Team – das gab’s noch nie!“), startet bei der Eröffnungsfeier und im spektakulären CHIO-Cup am Samstagabend. Das ist selbst für die Vielseitigkeit sehr vielseitig. 330 Reiter aus 32 Nationen werden in Aachen erwartet, dazu 967 Pferde und es wird 98 Stunden Sport insgesamt geben. Für Kemperman wird es übrigens der letzte CHIO in dieser Funktion sein, er wechselt im Herbst in den ALRV-Aufsichtsrat.

Aachens erste Bürgerin Sibylle Keupen freut sich auf die vielen Gäste aus aller Welt, die das Turnier stets in die alte Kaiserstadt lockt. „Der CHIO“, so die Oberbürgermeisterin, „zaubert uns allen ein Lächeln ins Gesicht und ist die Sahnehaube auf der wunderbaren Aachen-Torte.“

PM

Quelle: Pressemitteilung CHIO Aachen

Weitere News:


Meike Rath

Autorin: Meike Rath - ehemalige Turnierreiterin, frühere Pferdebesitzerin und heute Berichterstatterin aus dem Reitsport - Autorin, Redakteurin und Inhaberin von Reiterzeit.de