Erkennen Besitzer das Wohlbefinden ihrer Pferde nicht?

Gesundheit / Krankheiten

Wie steht es mit dem Wohlergehen des Pferdes? Sieht es gut aus? Wer diese Frage mit ja beantwortet, sollte nochmal zurück in den Stall gehen und sein Pferd genauer und länger anschauen. Französische Forscher haben beobachtet, dass viele gar nicht genau wissen wie es ihrem Pferd geht.

Die Forscher beobachteten, dass viele Menschen die Anzeichen für schlechtes Wohlbefinden ihres Pferdes gar nicht erkennen, oder schlimmer noch, die Anzeichen für normal halten.

„Die Menschen erkennen Probleme im Wohlergehen des Pferdes oftmals nicht, weil sie nicht wissen wie sie es erkennen sollen, ihm nicht genug Aufmerksamkeit widmen, oder es nicht glauben wollen. Oder sie haben sich so sehr daran gewöhnt, ihr Pferd in einem schlechten Zustand zu sehen, dass ihre Wahrnehmungsschwelle so gesunken ist, dass sie ein leidendes Pferd gar nicht mehr wahrmehmen,“ sagt Clémence Lesimple, Forscher der University of Rennes, in Frankreich.

In einer aktuellen Studie haben Clémence Lesimple und Martine Hausberger, Forschungsleiter der Universität, 373 Reitpferde verschiedener Rassen in 26 Reitställen in Frankreich untersucht. Die jeweilige Person, die sich in den einzelnen Ställen am meisten um die Pferde (aus der Studie) kümmert, hat einen Fragebogen zum Wohlbefinden der Pferde ausgefüllt. Lesimple und Hausberger haben anschließend die Pferde für 18 Stunden beobachtet (6 Stunden, 3 Tage in Folge), um zu überprüfen, ob sich Signale für schlechtes Wohlbefinden zeigten, z. B. stereotype oder abnorme repetitive (sich wiederholendes) Verhaltensweisen  z. B. Weben (Pferdekopf und Hals hin und her pendeln) oder Koppen.

„37 % zeigten mindestens ein sterotypes Verhalten und einige sogar bis zu 7 verschiedene Verhaltensweisen,“ sagte Lesimple. Die Pferdebetreuer schätzten, dass höchstens 5 % ein sterotypes Verhalten zeigten und dass keines der Pferde mehr als eine Verhaltensart aufwies. Die Hälfte der Betreuer nahm auch an, dass keines der Pferde Stereotypien oder abnormales Verhalten zeigten. Und die Reitschulen, die Stereotypien in der höchsten Form annahmen, zeigten das Wenigste an.

In den Ställen, in denen das Wohlergehen das Hauptaugenmerk und das Management überwiegend positiv war (z. B. genügend frisches Heu, täglicher Gang auf Paddocks / Koppeln), wussten die Personen am besten welches Pferd Stereotypien zeigte, sagte Lesimple. „Das ist die positive Seite der Studie, wenn wir dem Wohlergehen unserer Pferde mehr Aufmerksamkeit widmen und uns dessen bewusster werden, dann sind wir eher in der Lage Probleme auch zu sehen.“

Pferd im StallWer die Probleme nicht sehen kann, sieht nicht was direkt vor seinen Augen ist, sagte Lesimple. Die meisten Menschen nehmen sich nicht genug Zeit ihre Pferde zu beobachten und anzusehen. Sie gehen schnell durch den Stall und bekommen stereotypes Verhalten nicht mit, weil die Pferde in dem Moment durch die Person abgelenkt sind, die durch den Stall läuft, und sich normal verhalten. So können Probleme teilweise nicht gesehen werden.

Pferdepfleger, die fast nur Pferde mit abnormalem Verhalten vor sich haben, sehen ein Pferd mit normalem Verhalten nicht mehr. Dieses Phänomen ist schon durch Menschen bekannt, die in Gesundheitsberufen tätig sind und durch die schlechte soziale Umgebung, ein schlechtes Wohlbefinden nicht mehr wahrnehmen.

Trainingsprogramme, in denen die Pferdepfleger gesunde Pferde in ihrer natürlichen Umgebung beobachten, können helfen einen klareren und geschärften Blick zu entwickeln. Dieser ermöglicht es ihnen, ihre eigenen Pferde besser zu beobachten und ihr Wohlbefinden auch zu steigern.

Quelle: Université de Rennes