Welche Emotionen zeigen Pferde in bestimmten Situationen

Pferdewesen

Wäre es nicht schön zu wissen, wann ein Pferd positive oder negative Emotionen in bestimmten Situationen empfindet? Jetzt wurde eine Skala mit Verhaltensindikatoren entwickelt, die folgende Punkte beinhaltet: Valenz/Wertigkeit (ist die Emotion positiv oder negativ) und Intensität.

Manchmal scheint es offensichtlich, ob Pferde glücklich oder traurig sind, aber wie sehr sie es in bestimmten Situationen sind, ist nicht so einfach herauszufinden, sagt Elodie Briefer vom IAF – Institut für Agrarwissenschaften und der ETH Zürich.

„Unsere Indikatoren – besonders in Bezug auf die Valenz – geben uns die Möglichkeit festzustellen, welche Situationen besonders negative oder positive Emotionen provozieren, und dieses Wissen wird uns helfen, den Tierschutz zu verbessern“, sagte Briefer während der Präsentation ihrer Studie auf dem 2014 Swiss Equine Research Day in Avenches.

Frühere Studien über Pferde-Emotionen haben sich mehr auf die Intensität – Cortisol, Stresshormone und z. B. Herzfrequenz – bezogen, ohne notwendigerweise die Verhaltensindikatoren zu identifizieren, die eine positive oder negative Wertigkeit darstellen.

„Den Ansatz, den wir verwendet haben, gleichzeitig die Valenz und Intensität zu vergleichen, kann hilfreich sein genauere emotionale Indikatioren festzulegen,“ sagte sie.

In ihrer Studie hat Briefer zusammen mit 20 Kollegen fünf verschiedene Situationen nachgestellt, die verschiedene Arten und Intensitäten an Emotionen hervorgerufen haben. Diese Tests wurden mit 20 Pferden durchgeführt und anschließend ausgewertet.



Abonniere den kostenlosen Newsletter von REITERZEIT.de

Jedes Pferd:

  • wurde im Stall alleine gelassen und sah die anderen Pferde, wie sie den Hof verließen,
  • sah alle Pferde zurückkommen,
  • sah wie sein Weggefährte „Freund“ weggebracht wurde und mit anderen Pferden den Hof verlassen hat,
  • sah wie sein Freund zurückkam, und
  • blieb in seinem Stall mit allen anderen Pferden, ohne irgendwelche menschlichen Interventionen (Kontrollphase).
neugierige Stute
Stute, neugierig schauend

Die Forscher filmten das Verhalten der Pferde und es wurde die Atmung sowie Körpertemperatur gemessen; mit einem nicht-invasiven (nicht in den Körper eindringenden) Monitor und außerdem wurde die Stimmaktivität der Pferde aufgezeichnet.

Bei der Überprüfung der Ergebnisse fanden die Forscher sechs zuverlässige Indikatoren für Intensität und sieben für die Wertigkeit, sagte Briefer. Zum Beispiel: erhöhte Atmung und Körperbewegung, sowie eine erhöhte Intensität von Hochfrequenz-Tönen.

Im Hinblick auf die Valenz neigten Pferde in negativen Situationen dazu, ihre Köpfe höher zu halten, während Pferde in positiven Situationen mehr Zeit mit Kauen verbrachten.

„Kauen könnte ein Zeichen von Entspannung sein“, sagte Briefer, „vor allem, wenn einer starken negativen Situation (z. B. als die anderen Pferde weggebracht wurden) eine positive emotionale Situation mit wenig Intensität folgt.“

Die Töne der Pferde waren in positiven Situationen generell niedriger in der Frequenz, als in negativen und sie waren in der Dauer kürzer.

Briefer sagte: „Pferde können über ihr Verhalten und Ihre Laute kommunizieren. Emotionaler Ausdruck ist wichtig für die Regulierung der Interaktionen zwischen Individuen und ist damit ein entscheidendes Phänomen der sozialen Spezies.“

Quelle: ETH, Zürich