Equines Cushing Syndrom

Krankheiten – Hormonstörung

Cushing ist eine Hormonstörung, die Pferde ab einem durchschnittlichen Alter von 15 Jahren bekommen können. Sie kann nicht geheilt werden, aber mit entsprechender Behandlung sind noch viele beschwerdefreie Jahre möglich.

Übersicht:

 

Was bedeutet Cushing?

Pferde mit Cushing haben eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse. Diese produziert Hormone, die über den Blutkreislauf in den Körper gelangen. Ist ein Pferd gesund, ist die Steuerung der Körperfunktionen intakt. Bei dem kranken Tier ist die Dopamin-Ausschüttung im Gehirn reduziert. Dies hat zur Folge, dass das fehlende Dopamin ein bestimmtes Hormon nicht im Gleichgewicht halten kann, was für einen Teil der Hirnanhangdrüse benötigt wird. Es heißt ACTH. Dieses Hormon steigert die Kortisol-Produktion in der Nebennierenrinde. Wodurch die nachfolgenden Symptome auftreten können:

Symptome

  • schlechter Fellwechsel, wobei im Sommer dickes, langes Haar zurückbleiben kann, bei dem auch eine Kräuselung möglich ist
  • Abmagerung, obwohl das Futter gut gefressen wird
  • starker Durst und häufiges Wasserlassen
  • häufig Hufrehe
  • Muskelabbau, vorwiegend am Rücken
  • häufige Infekte durch schlechtes Immunsystem
  • andere Fettverteilung, d. h. Rückgang am Rücken und z. B. Zunahme am Bauch

Behandlung

Es gibt entsprechende Medikamente (bitte mit dem Tierarzt absprechen), die Linderung einiger Symptome bringen. Hier kann z. B. die Fellstörung zurückgehen. Erste Linderungen können, abhängig vom Pferd, schon nach einigen Wochen auftreten.

Versucht Eurem Pferd schnellstmöglich eine entsprechende Behandlung zukommen zu lassen, damit ihr noch schöne gemeinsame Jahre verbringen könnt.


Cushing-Symptome, klinische Anzeichen bei der Diagnose

In den USA wurde eine bundesweite Studie über das Equine-Cushing-Syndrom durchgeführt. Dabei wurden Daten von Tierärzten und Pferdebesitzern zu tausenden Pferden aller Rassen und jeden Alters gesammelt, die mögliche erkennbare Merkmale der Erkrankung zeigen.

Bekannt ist Cushing auch unter dem Fachbegriff PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction – Dysfunktion der Pars Intermedia der Hypophyse). Auf Basis der Daten bestätigten die Forscher in zwei wissenschaftlichen Arbeiten einige vermutete Muster und identifizierten überraschend einige andere.

Eine Vergrößerung eines Teils der Hirnanhangdrüse ist für PPID verantwortlich. Diese verursacht die Freisetzung einer Vielzahl von Hormonen, die das metabolische Gleichgewicht des Pferdes stört. Der Zustand schreitet mit dem Alter fort, daher sollte so früh wie möglich eine Behandlung begonnen werden. Allerdings ist dies nicht so einfach. Tierärzte suchen nach den einfachsten und effektivsten Möglichkeiten, um PPID zu identifizieren.

Steve Grubbs von Boehringer Ingelheim Vetmedica Inc. (BIVI) St. Joseph, Missouri und Kollegen, haben neue Ergebnisse zu einer PPID epidemiologischen Studie auf dem jüngsten 2015 American College of Veterinary Internal Medicine Forum vorgetragen.

Datenerfassung

In der Studie wurden die Daten von 515 Pferden berücksichtigt, z. B. Warmblüter und Ponys. Erfasst werden sollten die Muster, Ursachen und die Auswirkungen auf Gesundheit und Krankheitsbedingungen, zusammen mit den Risikofaktoren und Präventionsansätzen.

Pferd
Symbolfoto

Als erstes wurden die epidemiologischen Merkmale der Pferde mit PPID bei der Erstdiagnose aufgenommen, erklärte Grubbs. Pferde, die in die Studie aufgenommen wurden, hatten zumindest eines der klinischen Symptome. Pferde ohne klinische Anzeichen wurden von der Studie ausgeschlossen.

Die Forscher sammelten Merkmale und demographische Daten (Alter, Geschlecht, Rasse, Standort) für jedes Pferd beim ersten tierärztlichen Besuch und führten eine Anamnese und körperliche Untersuchung durch. Dann sammelten sie Blut zum basalen ACTH (Adrenocorticotropin Hormon), Nüchtern-Insulin und Glucose, was auf PPID oder Insulinresistenz (IR) hindeuten kann, eine Verringerung der Insulinempfindlichkeit, die es schwieriger für Zellen macht, Blutzucker zur Speicherung zu transportieren. Die Proben wurden zur Analyse zum gleichen Labor über Nacht versendet.

Auswertung der Testergebnisse

Als nächstes sichtete das Team die Testergebnisse und bestimmte Verbindungen zur Demographie. Damit wollten sie feststellen, welche Merkmale bei der Prognose von PPID helfen können.

Grubbs und seine Kollegen fanden heraus, dass die Wahrscheinlichkeit mit PPID diagnostiziert zu werden bei den Altersgruppen wie folgt aussah:

  • Bei 15 bis 19,9 Jahre alten Pferden war die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch wie bei Pferden, die jünger als 15 Jahre waren.
  • 20 bis 24,9 Jahre alte Pferde hatten ein 4,6 mal höheres Risiko für PPID als Pferde, die jünger als 15 Jahre waren.
  • Pferde im Alter von 25 Jahren und älter wurden 14 mal häufiger mit PPID diagnostiziert.

Insgesamt wurden:

  • 222 Pferde (43%) PPID positiv getestet,
  • 203 (39,4%) als insulinresistent,
  • und 197 (38,3%) bei beiden negativ getestet.

Wobei hiervon:

  • 97 Pferde (18,8%) auf beide Erkrankungen positiv getestet wurden,
  • 115 (22,3%) positiv auf PPID, aber negativ auf insulinresistenz und
  • 106 (20,6%) negativ getestet auf PPID, aber dafür insulinresistent.

Insulin resistente Pferde, unabhängig ihres Alters, waren doppelt so anfällig für PPID wie Pferde mit normalem Insulinspiegel. Dreiundvierzig Prozent der Cushing-Pferde waren auch hyperinsulinämisch (erhöhte Konzentration von Insulin im Blut).

Klinische Symptomatik

Im zweiten Aspekt konzentrierten sich die Forscher auf die klinischen Symptome selbst. „Die Prävalenz von PPID war bei Pferden signifikant höher als bei Pferden, bei denen derzeit fünf der klinischen 11 Anzeichen vorhanden sind“, sagte er.

Es war nicht verwunderlich, dass z. B. verringertes sportliches Verhalten, Verlust von Muskelmasse und Gewichtsverlust auf dieser Liste waren, sagte Grubbs. „Wenn wir auf die klinischen Symptome und den Grad der Vorhersehbarkeit blicken, oder was das Vorhersehbarste von PPID sein könnte, war abnormes Schwitzen die Nr. 1 der klinischen Anzeichen“, sagte er. „Viele haben das nicht einmal in Erwägung gezogen.“



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Es war nicht statistisch signifikant, aber PPID wurde eher entwickelt, wenn die drei der übrigen klinischen Zeichen aus der 11er-Liste vorhanden waren:

  • Polydipsie (krankhaft gesteigerter Durst),
  • Polyurie (krankhaft erhöhte Urinausscheidung)
  • und Hufrehe.

Cushing-Prävalenz war eigentlich geringer, wenn die vier (der verbleibenden Zeichen) nicht vorhanden waren: dicker/fetter Hals bzw. Fettpolster, Kugelbauch, Gewichtszunahme und wiederkehrende Infektionen.

Verzögerter Fellwechsel und Gewichtsverlust waren jeweils auch deutliche Vorhersagevariablen für ein Pferd mit PPID.

Mit dieser Pferdegruppe sind weitere Studien geplant, mit dem Ziel, insbesondere die klinischen Anzeichen von PPID mit bestimmten Altersgruppen zu verknüpfen.

Daten helfen Tierärzten

Eine bessere Charakterisierung dieser Unterschiede (in den bestimmten Altersgruppen) wird Tierärzten helfen, die Pferde zu beurteilen, deren Pferdebesitzer möglicherweise nicht für Tests zahlen können, aber symptomatisch behandeln wollen. „Sie vertrauen eher auf die klinischen Anzeichen“, sagte Gubbs. „Wir versuchen ihnen zu helfen, die beste Entscheidung zu treffen.“

Aufgrund der Forschungsergebnisse entstehen viele weitere Fragen. Aber es ist richtig zurückzusehen und zu realisieren, wie gut Tierärzte inzwischen darin geworden sind, PPID zu diagonstizieren und zu behandeln, sagte Gubbs. „Wir sind sehr viel besser als vor 5 oder 10 Jahren. Das Feld hat sich in den vergangenen fünf Jahren rapide verändert.“

Quelle: Boehringer Ingelheim