Interview mit Nachwuchsreiter Brian Moggre

15.06.2022 Der junge Springreiter Brian Moggre, USA im Rolex Grand Slam Interview:

Seit Ihrem sensationellen zweiten Platz beim CHIO Aachen Rolex Grand Prix ist nun fast ein Jahr vergangen. Was haben Sie seitdem gemacht?

So viel! Das war ein wahnsinniges Turnier für mich und ein wundervolles Erlebnis. Danach habe ich ein paar Pferden eine Auszeit gegönnt und den Winter auf Turnieren in Wellington, Florida, verbracht. Jetzt bin ich diesen Sommer wieder in Europa und gehe für das Team USA auf viele Turniere, was immer eine große Ehre ist. Ich habe dieses Jahr ein paar Pferde mehr als letztes Jahr, also nehme ich an mehr Turnieren teil. Ich versuche immer noch, weiter an mir zu arbeiten und erfolgreicher zu werden.

Wie geht es Balou du Reventon, haben Sie vor, ihn dieses Jahr beim CHIO Aachen zu reiten?

Balou du Reventon ist fantastisch. Wir haben dieses Jahr einige Ziele für ihn ins Auge gefasst, auf die wir hinarbeiten. Ich bin letzte Woche mit ihm im Nationenpreis beim CSIO Roma Piazza di Siena gestartet und er ist dort hervorragend gesprungen. In der zweiten Runde des Nationenpreises ist er fehlerfrei geblieben, im Grand Prix aber hat er leider das letzte Hindernis abgeworfen. Er fühlt sich topfit an – er ist wirklich ein toller Hengst. Er wird dieses Jahr sechzehn Jahre alt, also setzen wir ihn nur sparsam ein. Aber wir holen ihn auf jeden Fall raus, wenn wir ihn brauchen. Und das Tolle daran ist, dass er immer seine Arbeit macht.

Wie hält man ein Pferd in seinem Alter in so guter Verfassung?

Ich glaube, es ist einfach wichtig, das Pferd zu verstehen und ihm zuzuhören. Er hat so viel Persönlichkeit. Er lässt einen tatsächlich wissen, wenn es ihm zu viel wird oder wenn er nicht genug tut. Ich habe ein tolles Team in meinem Stall, besonders Lesley Leeman, der sein Hauptpfleger ist. Wir schauen immer Tag für Tag, wie es ihm geht, und sorgen dafür, dass er so fit und gesund wie möglich ist, damit er jederzeit leistungsbereit ist, wenn es sein muss.

Wer sind derzeit Ihre Top-Pferde? Und haben Sie auch spannende jüngere Pferde, von denen Sie meinen, sie könnten die Stars der Zukunft sein?

Absolut. Ich habe noch ein anderes Pferd im Moment auf 5-Sterne-Niveau, das in meinem Besitz ist. Ich habe ihn jetzt schon sieben Jahre, sein Name ist „MTM Vivre Le Reve“. Er war letztes Jahr in Amerika und hatte eine krankheitsbedingte Pause, aber jetzt ist er wieder ganz oben im Sport mit dabei. Er ist 13 Jahre alt, aber er hat noch ein paar gute Jährchen vor sich. Ich habe auch einen sehr vielversprechenden Neunjährigen im Besitz von Anne Thompson [auch Besitzerin von Balou du Reventon]. Dann habe ich noch ein paar Jungpferde, die vielversprechend aussehen, darunter einen Siebenjährigen, der mir gehört, und der im Moment die Ranglisten emporsteigt. Es ist einfach wichtig, Pferde zu haben, die nach den Spitzenpferden nachrücken können, besonders wenn diese älter werden.

Im Springsportkalender stehen so viele Events. Wie entscheiden Sie, auf welche Sie sich konzentrieren und mit welchen Pferden Sie antreten möchten?

Es ist wichtig, am Jahresanfang einen Plan zu erstellen für die Pferde, die man hat und die Dinge, die man erreichen will. Zum Beispiel ist das Reiten für das Team USA für mich so wichtig, dass ich Balou du Reventon hauptsächlich auf diese Events vorbereite. Ich halte ihn fit für diese Events, damit er in diesen Momenten voll aufblühen kann.

Brian Moggre – Foto Rolex Grand Slam / Peggy Schröder

Finden Sie, dass sich europäische Turniere von denen in den USA unterscheiden?

Ja, das finde ich. Letztes Jahr wusste ich nicht, was ich erwarten sollte, als ich nach Europa kam. Natürlich wusste ich, dass die besten Reiter der Welt ebenso wie die Legenden, die ich mein ganzes Leben lang bewundert habe, hauptsächlich in Europa Turniere reiten. Aber erst bei diesem ersten 5*-Turnier, das in meiner ersten Woche letztes Jahr hier drüben stattfand, habe ich mir gedacht „oh mein Gott“. Ich finde es einfach unglaublich, zu diesen Turnieren zu gehen und dort gegen sieben der zehn besten Reiter der Welt in einer einzigen Klasse anzutreten. Für mich ist das ein echter Ansporn, es ihnen gleichzutun und mit diesen Spitzenreitern auf höchstem Niveau des Sports konkurrieren zu können. Das ist sehr motivierend und lässt mich sehr ehrgeizig werden – es macht Spaß, mit Leuten zusammen zu sein, zu denen man einst aufgeschaut hat und die man nun als „Konkurrenten“ ansieht.

Welcher der vier Majors, aus denen der Rolex Grand Slam of Show Jumping besteht, gefällt Ihnen am besten?

Definitiv der CHIO Aachen. Ich liebe das CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier. Aber der CHIO Aachen wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Die Majors sind aber allesamt fantastische Turniere, auf die ich mich sehr freue, aber der CHIO Aachen hat einen besonderen Stellenwert.

Mit welcher anderen Sportart lässt sich das Springreiten am ehesten vergleichen?

Ich stelle eine Menge Ähnlichkeiten zur Formel 1 fest, und ich denke, da würden mir viele Reiter zustimmen. Letztendlich ist Springreiten für mich aber ein so einzigartiger Sport, dass es fast unmöglich ist, ihn mit etwas anderem zu vergleichen. Aber ich würde sagen, das ist das Ähnlichste, was es gibt.

Alles, was noch fehlt, ist also ein „Ride to Survive“ auf Netflix?

Genau! „Ride to Survive“, das hat was – das ist richtig gut!

Was sind die wichtigsten Grundlagen für eine erfolgreiche Karriere im Springreiten?

Die Verbindung zu seinen Pferden ist das Wichtigste. Ich habe meine Laufbahn aus Liebe zu den Pferden begonnen. Was man in sie hineinsteckt, das holen sie auch für einen selbst aus sich heraus. Ich glaube, es ist wirklich wichtig, das nicht aus den Augen zu verlieren. Egal, ob man ein Pferd oder 15 Pferde hat, sie sind alle Sportler, genau wie man selbst, und sie haben Emotionen, sie fühlen und sind klasse Wettkämpfer. Ich finde es sehr wichtig, dass sich die Pferde wertgeschätzt fühlen, dass sie die beste Pflege bekommen und dass man ihnen wirklich zuhört. Man muss sein Pferd verstehen und sich in Erinnerung rufen, warum man das alles macht. Bei mir war es so, dass ich schon als Baby einfach verrückt nach Pferden war, und das hat sich nie geändert.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie nicht gerade auf Turnieren sind oder trainieren?

In meiner Freizeit? Gute Frage! Ich nutze die Zeit, um zu entspannen und mich neu zu sammeln, sei es körperlich oder geistig. Ich koche sehr gerne, also koche ich viel, wenn ich zu Hause bin. Das macht mir sehr viel Spaß – aber wirklich gut bin ich darin nicht! Ich treffe viele Leute auf den Turnieren. Viele meiner Freunde und meine Familie kommen zu allen Turnieren, sodass ich dort mit ihnen Zeit verbringen kann. Wenn ich zu Hause bin, nehme ich mir gerne Zeit für mich selbst und um mich auf die nächsten paar Wochen vorzubereiten, die nach der Pause wieder anstehen.

Was ist ein für Sie typisches Gericht?

Da gibt es viele – aber meine Garnelen-Tacos sind ziemlich gut!

Wenn Sie ein beliebiges Pferd reiten könnten, egal ob aus der Vergangenheit oder Gegenwart, welches würden Sie wählen?

Ich wäre gerne auf Hickstead geritten, er war so ein Kraftpaket, obwohl er klein war. Er war schnell und er war clever. Ich hatte schon immer ein Faible für kleine Pferde und ich glaube, dieses Pferd zu reiten, wäre fantastisch gewesen, denn er war ein echter Athlet. Obwohl ich das Pferd nicht persönlich gekannt habe, schien er ein wenig verrückt gewesen zu sein, aber mit viel Charakter. Ich glaube, ich wäre auf jeden Fall gerne dieses Pferd geritten.

Quelle: Pressemitteilung Rolex Grand Slam

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Meike Rath

Autorin: Meike Rath - ehemalige Turnierreiterin, frühere Pferdebesitzerin und heute Berichterstatterin aus dem Reitsport - Autorin, Redakteurin und Inhaberin von Reiterzeit.de