Wohlbefinden des Pferdes liegt in Menschenhand

Pferdewesen

Einige sind depressiv, einige aggressiv und einige schalten komplett ab und zeigen keine Reaktion. Es gibt eine Vielzahl von Verhaltensweisen, mit denen Pferde ihre negativen Emotionen zeigen. Und die Art und Weise wie Pferde sie zeigen, kann ein direkter Rückschluss auf die Trainingsmethoden und Haltungsbedingungen sein.

Clémence Lesimple sagte, dass auch das Wohlbefinden der Pferde in Bezug auf den Menschen näher untersucht werden müsste. In einer Rezension mit Hunderten von Pferden (in verschiedenen Verhaltensstudien) fand sie heraus, dass Pferde, die wenig oder gar keinen Kontakt zu Artgenossen haben, z. B. durch abgeschirmte Boxen, eher aggressiv auf den Menschen reagieren.

böses PferdAuch wenn Pferde ausschließlich mit negativer Verstärkung (z. B. Bestrafung) trainiert werden, verbinden sie dies negativ mit Menschen; sie erwarten negative Maßnahmen, die sie nicht kontrollieren können, sagt Lesimple. Bestimmte Trainingstechniken und -positionen sowie schlechter Reitstil (vor allem bei Anfängern), kann zu chronischen Schmerzen führen.

Pferde mit chronischen Rückenschmerzen zeigen mehr Anzeichen von Depression, Aggression oder erlernter Hilflosigkeit.

Schon in jungen Jahren entwickeln Pferde eine Wertschätzung für die Menschen, die mehr oder weniger positiv sind, d. h. ihre Wahrnehmung des Menschen ist mit positiven oder negativen Emotionen verbunden, aber selten ist es neutral.

Während die Forschung eine starke Verbindung zwischen schlechtem Befinden und negativen Interaktionen mit Menschen zeigt, gibt es auch eine gute Nachricht. Die Verbesserung des Wohlbefindens beim Pferd kann nicht nur zur Verbesserung der Beziehung zwischen Mensch und Tier führen, sagte Lesimple. Wenn es von Anfang an gut läuft, dann kann auch ein Leben lang eine positive Verbindung zwischen Mensch und Pferd bestehen bleiben; bei der Haltung, am Boden und unter dem Sattel.

„Alles was wir tun können, um die Lebensbedingungen eines Pferdes zu verbessern, ist z. B. ihm Heu geben, wenn kein Gras da ist, Zugang zu freien Flächen / Weiden ermöglichen und Kontakte zu Artgenossen gewähren; diese Faktoren sind kontrollierbar und bieten eine einfache Lösung für bestimmte Verhaltensprobleme gegenüber dem Menschen, die heute leider viel zu oft auftreten“, sagt Clémence Lesimple.

„Ebenso wie entsprechendes Training und Reittechniken verbunden sind mit einem positiven Kontext (z. B. positive Verstärkung – Belohnung) kann tatsächlich ein Training zu einer motivierenden und stimulierenden Aktivität werden, das in sich selbst schon eine Quelle für ein gutes Wohlbefinden ist.“