Reitergewicht und das Pferd

Auswirkungen des Reitergewichts auf das Wohlbefinden des Pferdes

Eine Studie hat untersucht, wie sich ein erhöhtes Reitergewicht auf die Bewegungen des Pferdes auswirkt.

22.11.2019 In früheren Studien wurde festgestellt, dass physiologische Reaktionen und Laufsymmetrieparameter negativ beeinflusst werden, wenn Pferde schwere Reiter tragen, z.B. wenn das Gewichtsverhältnis von Reiter zu Pferd um ca. 20 – 35 % steigt.

Neue Forschungsarbeiten sollten weitere Erkenntnisse darüber bringen, wie sich ein erhöhtes Reitergewicht auf ein Pferd während der Bewegung unter dem Sattel auswirken kann. Angesehen wurde sich das Gewichtsverhältnis von Reiter zu Pferd vor allem bei Warmblutpferden.

Auswirkungen bei einer Zunahme des Reitergewichts

Janne Winther Christensen von der Universität Aarhus, Dänemark und ihr Forschungsteam untersuchten die Auswirkungen einer akuten Zunahme des Reitergewichts auf das Verhalten des Pferdes, die physiologischen Reaktionen und die Gangsymmetrie. Die ersten Ergebnisse dieser Studie wurden im August 2019 auf der 15. jährlichen Konferenz der International Society for Equitation Science (ISES) an der Universität von Guelph, Kanada vorgestellt.

IMG_3233 Helen Langehanenberg u. Suppenkasper (Aachen 2016)
IMG_3233 Helen Langehanenberg u. Suppenkasper (Aachen 2016)

Christensen erklärte, dass der Einfluss des Reitergewichts auf das Wohlbefinden des Pferdes viel diskutiert und wahrscheinlich von einer Reihe von Faktoren beeinflusst wird; darunter Pferdetyp, Arbeitsintensität, Ausbildungsniveau des Pferdes und Fähigkeiten des Reiters.

Die Studie umfasste 20 Reiter- und Pferd-Kombinationen. Die Forscher baten die Reiter eine Standard Dressurprüfung in einer ausgewogenen Crossover-Studie abzulegen. Die Reiter ritten die Dressur ohne zusätzliches Gewicht, oder mit zusätzlichen 15 % bzw. 25 % ihres Körpergewichts, die in Form einer getragenen Weste hinzugefügt wurden. Während des Tests wurden die Herzfrequenz des Pferdes, das Speichelcortisol, die Gangsymmetrie und das Verhalten (z.B. Kopfschütteln, Schweifschlagen, öffnen des Pferdemauls) gemessen.

Wenig Auswirkung des Gewichts

Die Forscher fanden heraus, dass die erhöhten Reitergewichte die Herzfrequenz, das Speichelcortisol, das Verhalten und die Laufsymmetrie der Pferde nicht signifikant beeinflussten. Es sollte beachtet werden, dass das maximale Gewichtsverhältnis von Reiter zu Pferd zwischen 15 und 23 % sank und die Trainingsintensität relativ niedrig war. Christensen sagte, dass in diesem Gewichtsverhältnis und bei leichtem bis mittlerem Training akute Gewichtszunahmen des Reiters keine Veränderungen der bisher analysierten Parameter bewirkt haben.

Asymmetrie des Reiters

Die Studie verglich auch die am Boden gemessene Reitersymmetrie mit der Symmetrie auf dem Pferderücken beim Reiten mit und ohne zusätzliches Gewicht. Auf dem Boden wurde die Symmetrie mit Gewicht am linken bzw. rechten Bein gemessen, während sie auf zwei identischen Badezimmerwaagen standen.

Darüber hinaus wurden Beweglichkeit und Gleichgewicht der Reiter beim Sitzen auf einem Gymnastikball durch die Fähigkeit, standardisierte Übungen durchzuführen, bewertet. Die schlechte Beweglichkeit am Gymnastikball war mit einer Gewichtsasymmetrie verbunden, d.h. je schlechter die Beweglichkeit, desto größer die Gewichtsasymmetrie.

Die Schieflage des Reiters im Sattel wurde mit einer Satteldruckmatte gemessen. Fast alle Reiter (19 von 20) hatten mehr Gewicht auf der rechten Seite des Sattels. Der krumme Sitz des Reiters hängt wesentlich mit der Gewichtsasymmetrie am Boden zusammen, aber nur ohne zusätzliches Gewicht. Wurde mit einem zusätzlichen Gewicht von 15 % oder 25 % geritten, war dies nicht der Fall. Dies deutet darauf hin, dass eine künstliche Gewichtszunahme einige Reiter weniger schief reiten ließe, wobei sie sich ihrer relativen Asymmetrie stärker bewusst wären.

So spiegelt ein einfacher Gewichtssymmetrietest mit zwei gewöhnlichen Badwaagen die Schieflage des Reiters im Sattel wider und kann dem Reiter helfen, sich seines Ungleichgewichts bewusst zu werden. Die mangelnde Beweglichkeit des Beckens bei einem Gymnastikball spiegelt ebenso dieses Ungleichgewicht wider.

Habt Ihr schon mal Euer Gewichtsverhältnis von Reiter zu Pferd mit dem eigenen Pferd berechnet? Probiert es aus, indem Ihr Euer Gewicht durch das Gewicht des Pferdes teilt. 

Quelle: InternationalSociety for Equitation Science – Rider Weight on Horses´ Welfare