Neuer Therapieansatz gegen anhaltende Gelenkentzündung bei Pferden

11.04.2020 Forscher der North Carolina State University haben ein thrombozytenreiches Plasma [PRP (platelet rich plasma)] entwickelt, das in Verbindung mit Antibiotika bakterielle Biofilme, die bei Gelenkentzündungen häufig vorkommen, entfernen kann.

Das Team stellte seine Ergebnisse im Journal of Orthopaedic Research vor. Diese neue Therapie könnte hartnäckige Gelenkinfektionen bei Pferden bekämpfen und sie möglicherweise vor jahrelangen Schmerzen bewahren.

Um Hufrehe und andere Komplikationen zu vermeiden und für das Wohlbefinden eines Pferdes, sollte es dem Pferd so angenehm wie möglich gemacht werden, sagte Dr. Lauren Schnabel, Associate Professor of Equine Orthopedic Surgery an der North Carolina State University, USA.

Kein Gewebeschutz an Gelenken bei Wunden

IMG_3770 Pferd beim Grasen
IMG_3770 Symbolbild

Durch die aktive Lebensweise und ihre überwiegende Zeit im Freien sind Pferde anfälliger für Gelenkentzündungen als andere Tiere. Außerdem haben sie über den Gelenken ihrer unteren Gliedmaßen keinen Gewebeschutz. Jede Wunde in der Nähe eines Gelenks, egal wie groß, sollte von einem Tierarzt behandelt werden; ansonsten können sie lebensbedrohlich werden.

In der Regel werden bei Gelenkentzündungen die Gelenke vom Tierarzt gespült und Antibiotika verabreicht. Trotz offensiver Behandlung sterben etwa 6 bis 10 % der Pferde an den Folgen der Infektion oder den damit verbundenen Komplikationen. Bei den überlebenden Pferden leiden mehr als 50 % für den Rest ihres Lebens an chronischer Arthritis.

PRP-Lysat

Eine erfolgreiche Behandlung wird häufig durch Komplikationen verhindert. Eine Tendenz ist, dass Bakterien Biofilme im Gelenk bilden. Ein Biofilm ist ein klebriger, schleimiger Schild, der sich um Bakterien in der Synovialflüssigkeit (Gelenkschmiere) bildet. Sie werden so groß, dass die Immunzellen sie nicht mehr richtig angreifen können. Biofilme machen die Bakterien auch metabolisch inaktiv, was sie resistenter gegen Antibiotika macht.

Um ihr PRP-Lysat (Lysat = Zerfallsprodukt der Zellen) herzustellen, nahm das Forscherteam Blut aus einer kleinen Pferdeherde und isolierte die Blutplättchen, die bekanntermaßen die Heilung unterstützen. Dann packten die Forscher das 50-fache der Anzahl von Thrombozyten, die in einer gleichen Menge Blut zu finden wären, in ihr Produkt.

Antibiotika allein wirkungslos

Am Ende ihrer Untersuchungen und Tests stellten sie fest, dass Antibiotika allein völlig wirkungslos waren.

Das Lysat allein senkte die Bakterienlast signifikant. Die Kombination von Antibiotika und Lysat führte jedoch zu einer vollständigen Abtötung der Biofilme und Bakterien. Dr. Schnabel sagte, dass ihr Team diese experimentelle Therapie bei Pferden eingesetzt hat und großartige Ergebnissen erzielte.

Das Team forscht weiter daran, um die Herstellung des Lysats einfacher und günstiger zu machen.

Dies ist ein entscheidender Beleg dafür, dass es sich um eine Therapie mit einem enormen Potenzial handelt, um herkömmliche antimikrobielle Mittel wirksamer zu machen, sagte Dr. Janet Patterson-Kane, wissenschaftliche Leiterin der Morris Animal Foundation. Für diese komplexe Krankheit ist die schnellere und effektivere Entfernung von Bakterien aus infizierten Gelenken dringend nötig, erklärte sie.

Quelle: Veröffentlicht in Journal of Orthopaedic Research, DOI: 10.1002/jor.24584

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