Heilungsprozess bei Wunden am Pferd

Gesundheit / Krankheiten

Bei Pferden sind Wunden aller Art ein komplexer Heilungsprozess. Für die Besitzer ist es wichtig zu wissen, wie der Heilungsprozess verläuft.

Wie heilen Wunden?

Bei der Western Veterinary Konferenz in Las Vegas hat ein Tierarzt erklärt wie Wunden heilen.

Bimbo Welker, klinischer Professor an der Ohio State University, College of Veterinary Medicine Department of Veterinary Präventive Medicine, erklärte zuerst ein paar grundlegende Schritte um Wunden zu beurteilen. „Eine beschleunigte Wundheilung gibt es nicht, aber wir können den Heilungsprozess unterstützen“, sagte Welker.

Die Haut ist ein komplexes Organ, dass sich nicht regenerieren kann. Die Wunde wird mit fibrösem Bindegewebe kontinuierlich abgedeckt und ersetzt.

Wunden heilen immer in Stufen und das ist immer von der vorherigen Stufe abhängig. Der Verlauf ist aber immer gleich.



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Die Phase der Entzündung

Entzündet sich eine Wunde reagiert der Körper des Pferdes sofort. Die Haut um die Wunde zieht sich zurück.

Hat das Pferd eine Wunde, tritt innerhalb von 5 – 10 Minuten eine Reaktion im Gefäß auf. Eine Verengung der Blutgefäße beginnt, gefolgt von einer Gefäßerweiterung. Während dieser Reaktion bildet Fibrin (ein unlösliches Protein) ein Blutgerinnsel in der Wunde.

„Innerhalb von 30 Minuten beginnen Blutplättchen und Leukozyten (weiße Blutkörperchen) die Wunde zu reinigen. Diese Zellen sind zur Heilung notwendig und aktivieren das Fibrin, damit eine Gerinnung beginnt“, sagt Welker.

Innerhalb von einer Stunde beginnt die Lokalisierung. Das Fibrin lokalisiert den „Schaden“ und verhindert das Eindringen von Verunreinigungen in die Blutbahn oder in das unbeschädigte, umliegende Gewebe. Es bildet den Rahmen zur Wundheilung.

„Die Lokalisation hat auch einen Nachteil,“ sagt Welker. „Wenn die Verunreinigungen in einem zentralen Bereich lokalisiert sind, entwickelt sich die Entzündung (einschl. Rötungen, Schwellungen, Wärme und Schmerz). Eine große Entzündung verzögert dann die Heilung und kann zu Schmerzen, Narbenbildung, Drucknekrosen und Bakterienbildung führen.

Die zweite Phase

In dieser Phase werden die Bakterien und andere Krankheitserreger von Neutrophilen (eine Art weißer Blutkörperchen) zerstört. Damit wird die Entzündung verringert. Sind zu viele Neutrophilen in der Wunde, wird der Heilungsprozess verlangsamt, sagt Welker.

Dadurch bildet sich auch Eiter, der die Heilung verlangsamt und das Fibrin abbaut, dass die Wunde schließen soll. Deshalb muss die Wunde gereinigt und eventuell Antibiotika verabreicht werden.

Epithelisierung (Aufbau der obersten Hautschicht), sagt Welker, beginnt zwischen 8 und 10 Stunden nach der Verletzung. Folgende Faktoren können den Vorgang verlangsamen oder hemmen:

  • Infektionen,
  • Granulationsgewebe (bekannt als „wildes Fleisch“),
  • wiederholte Verbandswechsel,
  • extreme Unterkühlung und Austrocknung der Wunde.

Reparatur Phase

Ab dem vierten oder fünften Tag beginnt die Bildung von Wundrändern durch Fibroblasten (Zellen, die Bindegewebe bilden).

Granulationsgewebe bildet sich zwischen dem dritten und sechsten Tag. Laut Welker ist es ein wichtiger Teil der Wundheilung. Es schützt vor Infektionen und die Epithelzellen können `weiterwandern´.

Ein Problem wird Granulationsgewebe, wenn es über der Haut zu hoch steigt.

Reifung der Wundheilung

Die letzte Phase ist das Reifestadium. Je nach Schwere der Wunde kann es Wochen, Monate, ein Jahr oder länger dauern bis die Heilung erfolgt ist.

In dieser Zeit wird die Zahl der Fibroblasten verringert und die Zugfestigkeit erhöht. Auch wenn die Wunde komplett verheilt ist, sagt Welker, wird ihre Zugfestigkeit 15 – 20 % geringer sein, als bei den umliegenden Bereichen.

„Jeder Tierarzt sollte die volle Dicke der Wunde untersuchen und individuell behandeln,“ betonte Welker.