Haben Tierärzte einen gefährlichen Job?

Gesundheit / Krankheiten

Eine Studie aus Großbritannien hat untersucht, ob Pferde behandelnde Tierärzte öfter verletzt sind.

Die BEVA (British Equine Veterinary Association) hat in Großbritannien eine Studie in Auftrag gegeben, die vom “Institute of Health and Wellbeing and the School of Veterinary Medicine at the University of Glasgow” durchgeführt wurde. Es wurden Daten zu Verletzungen bei Tierärzten durch Pferde gesammelt und ausgewertet, da bisher keine konkreten Daten vorlagen, nur die Anekdoten, die Tierärzte aus ihrer Arbeit mit Pferden erzählten.

Anreiz schaffen

Die Ergebnisse der britischen Studie sollen auch für andere Länder ein Anreiz sein. Was bedeutet es für die Zukunft der Pferdepraxis und wie sollten Tierärzte zukünftig ausgebildet werden, um Verletzungen zu vermeiden bzw. zu vermindern? Die Zahlen der ersten Umfrage über Verletzungen jeglicher Art sagen, dass ein Tierarzt das höchste Risiko für Verletzungen gegenüber jedem Zivilberuf hat.

Pferderücken
Pferderücken in Behandlung

In der Zusammenfassung erklärte die BEVA: Es ist häufig vorgekommen, dass einige Tierärzte aufgrund von arbeitsbedingten Verletzungen ihren Job aufgeben mussten. Es soll auch Todesfälle gegeben haben, aber diese wurden nicht konsequent dokumentiert.

Potentiell gefährdet

620 Tierärzte für Pferde haben einen Fragebogen für arbeitsbedingte Verletzungen ausgefüllt. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Pferde-Tierärzte während ihres 30-jährigen Arbeitslebens durchschnittlich mit sieben oder acht arbeitsbedingten Verletzungen rechnen könnten, die sie dauerhaft behindern würden. Daten der Health and Safety Executive zeigen, dass Tierärzte, die bei der täglichen Arbeit (in Großbritannien) mit Pferden zu tun haben, eine sehr hohe Zahl an Verletzungen im Vergleich zu anderen zivilen Berufen haben, einschließlich derjenigen, die in der Bauindustrie, Gefängnisdienst und Feuerwehr tätig sind.

Arten der Verletzungen

Die Teilnehmer wurden gebeten, ihre bisherigen schlimmsten Verletzungen anzugeben.

Die meisten wurden als blaue Flecken, Brüche und Platzwunden beschrieben. Die häufigsten Verletzungen traten am Bein (29 %) und am Kopf (23 %) auf.

Die Hauptursache der Verletzungen waren:

  • ein Kick mit einem Hinterbein (49 %),
  • ein Schlag mit einem Vorderbein (11 %) und
  • Quetschverletzungen (5 %).

Fast ein Viertel dieser gemeldeten Verletzungen machten eine Krankenhausaufnahme erforderlich und 7 % führten zur Bewusstlosigkeit.

Wie kommt es zu Verletzungen?

Keith Chandler, ehemaliger Präsident der BEVA, erklärte die hohen Raten der Kopfverletzungen so: „Diese Verletzungen scheinen häufiger zu sein, wenn bestimmte Verfahren durchgeführt wurden, wie z. B.

  • eine Endoskopie der oberen Atemwege, wenn Tierärzte oft nur teilweise an der Seite zu sehen sind,
  • oder während sie die Ausrüstung prüfen,
  • während Wundversorgung und Verbandwechseln, bei denen Tierärzte oft neben dem Pferd für längere Zeit in der Hocke sitzen.“

38 % der „schlimmsten“ Verletzungen treten auf, wenn der Tierarzt mit einem „freundlichen“ Pferd arbeitet und am häufigsten (48 % aller Antworten) war die Bezugsperson zum Zeitpunkt der Verletzung der Eigentümer oder Kunde.

Weckruf

Obwohl die Zahl der Laien oder anderer Pferdepfleger, die zur gleichen Zeit verletzt wurden, gering war, wies Tim Parkin (Tierarzt und leitender Forscher) auf folgendes hin: „Diese Arbeit sollte ein Weckruf an alle sein, die an der Ausbildung, Beschäftigung und Engagement der Pferdetierärzte beteiligt sind. Die Risiken im Umgang mit Pferden und deren Handhabung sollten für jeden Tierarzt und Pferdebesitzer eine gleichermaßen wichtige Überlegung sein; jedes Mal, wenn ein Pferd untersucht oder behandelt wird! Darüber hinaus sollte die Erfahrung der Bezugsperson des Pferdes beachtet werden, wenn riskantere Verfahren vorgenommen werden sollen.“

Nutzung der Ergebnisse

David Mountford, Chief Executive von BEVA kommentiert, wie die Studie genutzt werden könnte: „Die Kenntnisse dieser Risiken erlauben uns alle Tierärzte, die mit Pferden arbeiten, besser zu informieren. Im Gegenzug werden Tierärzte in der Lage sein, Pferdebesitzer, Pferdewirte und Ausbilder über die Risiken zu informieren. Und dies kann die Notwendigkeit eines erfahrenen Assistenten zur Hand oder den umfangreicheren Einsatz von Sedativa in der Praxis rechtfertigen, da dies das Verletzungsrisiko verringern kann.

Die BEVA sagte, dass es jetzt vermehrt mit der Health and Safety Executive, tierärztlichen Schulen, Tierärzten in Großbritannien und den Mitarbeitern zusammenarbeiten will, um Richtlinien zu entwickeln, die die Gefahr von schweren Verletzungen für Tierärzte bei ihrer Arbeit mit Pferden reduziert.

Quelle: BEVA