Dorothee Schneider gewinnt Grand Prix Special in Wiesbaden 2022

Olympiasiegerinnen an Wiesbadens Spitze

06.06.2022 Mit dem letzten Tritt entschied sich der Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden, der Grand Prix Special, beim LONGINES PfingstTurnier Wiesbaden. Auf der Schlusslinie von First Romance sprang die Live-Wertung immer zwischen Platz eins und zwei hin und her – die beiden Gold-Kolleginnen von den Olympischen Spielen in Tokio, Isabell Werth und Dorothee Schneider, machten es spannend. Am Ende hatte First Romance ‚Roman‘ die Nase vorne und gewann unter dem Sattel von Schneider die Prüfung mit 74,936 Prozent. Isabell Werth und Superb folgten auf Platz zwei mit 74,468 Prozent. Es ist der zweite Sieg für Reitmeisterin Dorothee Schneider in Wiesbadens Special nach 2018 als sie mit Faustus gewann.

„Roman hat die Atmosphäre hier mit Bravour gemeistert“, freute sich Schneider. „Die ein oder andere Unsicherheit war noch drin, aber ich habe wirklich das Gefühl, wir wachsen immer mehr zusammen und er hört mir immer mehr zu. Er kann so genial sein und deswegen freue ich mich sehr über den Sieg heute und auf die Zukunft mit diesem Pferd.“

„Die erste Hälfte der Prüfung war heute wirklich super“, freute sich Isabell Werth. „Bis zum Angaloppieren.“ Da habe sie sich das erste Mal ziemlich über sich selbst geärgert. „Superb war draußen beim Angaloppieren schon verunsichert. Ich hätte es noch einmal machen sollen.“ Wie Schneider und First Romance kennen sich auch Werth und Superb schon seit sieben Jahren. „Superb ist in all den Jahren aber nur sechs oder sieben Turniere gegangen und man merkt jetzt, dass noch die gegenseitige Routine und Abstimmung auf dem Turnier fehlt.“ Bei all ihrem Selbstbewusstsein, sei sie doch auch schüchtern in Wiesbaden gewesen. Sehr teuer war der Aussetzer in den Galoppwechseln von Sprung zu Sprung. Nach dem achten Galoppsprung kam Superb nicht mehr in den Rhythmus. Und dann hatte das Paar noch mal Schwierigkeiten auf der Schlusslinie. „Es war nicht schwer, auf der letzten Mittellinie besser zu sein als gestern“, lacht Werth. „Es war aber trotzdem so, dass sie das noch im Kopf mitgenommen hatte. Aber wenn sie mal all ihre Möglichkeiten ausspielt, wird sie ein fantastisches Pferd.“

Dorothee Schneider u. First Romance 2 (Wiesbaden 2022) Foto: TomsPic.de

Auf Platz drei rangierte sich Nicole Wego-Engelmeyer mit Saphira Royal ein. Es war das dritte Turnier für dieses neue Paar, das erste internationale gemeinsame Turnier. Bereits 2016 hatte die elegante Stute auf sich aufmerksam gemacht, als sie mit Stefanie Wolf Dritte bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde wurde. Zwischenzeitlich war sie bei Mannschafts-Olympiasiegerin Kristina Bröring-Sprehe im Beritt und seit vier Monaten sitzt Kasselmann-Bereiterin Nicole Wego-Engelmayer auf der Stute. „Die Stute will alles richtig machen und gefallen. Die ist einfach super.“
 
Jochen Kettner ist spontan beim PfingstTurnier für seine Tochter Isabelle Kettner eingesprungen – eigentlich ist sie die Verantwortliche für die Dressurwettbewerbe, aber in diesem Jahr hat sie am Pfingstsonntag ihr zweites Kind zur Welt gebracht. „Das war wirklich ein besonderes PfingstTurnier für mich“, gestand ‚Opa‘ Kettner. „Wir hatten ein sehr internationales Starterfeld und Mitglieder aus dem deutschen Olympiakader hier bei uns. Das Konzept mit dem Louisdor-Preis und den jungen Pferden ist sehr gut aufgegangen. Wir hatten sehr viele Zuschauer. Man hat gar nicht gemerkt, dass wir zwei Jahre Pause hatten. Die Zuschauer haben uns wieder voll angenommen und auch bei der Kür war die Stimmung ganz toll. Für uns hätten die Pfingsttage aus dressursportlicher Sicht nicht besser laufen können.
 
Der Sport gibt uns recht
Die Dressur in Wiesbaden wird maßgeblich von der Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung unterstützt. „Wir engagieren uns sehr gerne hier in Wiesbaden“, erklärt Dr. Evi Eisenhardt, die im Schlosspark nicht nur als internationale Fünf-Sterne-Richterin am Richtertisch saß, sondern aucb als Vorstandsmitglied der Stiftung vor Ort war. „Der Sport gibt uns recht und ich war auch wieder ganz begeistert vom Louisdor-Preis. Wir haben tolle Pferde gesehen.“
 
Facilone und Amanyara zum Finale
Apropos Louisdor-Preis: In dieser Serie für Grand Prix-Nachwuchspferde war Wiesbaden Station Nummer zwei von fünf. Bei jeder Station qualifizieren sich die beiden Erstplatzierten für das Finale in der Frankfurter Festhalle. Die begehrten Finaltickets haben sich in Wiesbaden der zehnjährige Fürstenball-Sohn Facilone FRH und die neunjährige Amanyara M gesichert. Facilone wurde von Marcus Hermes vorgestellt, Fachkommentatorin Katrina Wüst war lobte: „Wir haben eine sehr fließende, leichtfüßige Vorstellung gesehen.“ Die Runde sei zudem – von zwei Momenten abgesehen – sehr sicher gewesen. „Das hat man auch an dem fliegenden Wechsel im Mittelgalopp gesehen. Die Verstärkungen waren wunderbar, im Trab alles fließend, alles schön, Passage war gut, Piaffe gut genug für ein junges Pferd.“ 74,391 Prozent waren ihr Ergebnis und das bedeutet den Sieg. Platz zwei und damit das zweite Finalticket ging an Dr. Svenja Kämper-Meyer und die selbstgezogene Amanyara M v. Ampere. „Ein wunderbarer Reitpferdetyp und sehr schön und sicher in der Anlehnung“, kommentierte Katrina Wüst. Mit Evelyn Eger auf Tabledance platzierte sich eine gebürtige Wiesbadenerin auf dem dritten Platz. „Wenn ich mich hier umgucke, sehe ich schon viele bekannte Gesichter“, freute sich die Bereiterin aus dem Stall Kasselmann. „Das ist für mich schon etwas ganz Besonderes, in meiner Heimat hier vor dem Schloss reiten zu dürfen – davon habe ich schon als Kind geträumt.“ Wo Träume wahr werden – das LONGINES PfingstTurnier Wiesbaden.
 
„Froh und glücklich“ – das Fazit der Präsidentin
„Es vergehen Wochen und Monate für die Vorbereitung des PfingstTurniers und dann ist es da und rums ist Montag“, erzählt Kristina Dyckerhoff, die Präsidentin des Wiesbadener Reit- und Fahr-Clubs. „Wir sind happy, dass das Turnier so gut gelaufen ist! Die angesagten Gewitter sind alle an uns vorbeigezogen – der liebe Gott scheint ein PfingstTurnier-Fan zu sein. Wir sind sehr glücklich.“ 53.000 Zuschauer seien an den vier Turniertagen im Schlosspark gewesen. „Wir hatten am Freitag volles Haus, da war keine Karte mehr zu bekommen. Der Samstag war auch extrem gut besucht. Die Vielseitigkeit war toll und wird immer mehr ein Bild von uns hier im Schlosspark. Heute ist es wieder voll, man kommt in den Gängen kaum durch. Wir sind froh und glücklich.“

Quelle: Pressemitteilung Wiesbadener Reit- und Fahr-Club e.V. – Performance and Passion

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Meike Rath

Autorin: Meike Rath - ehemalige Turnierreiterin, frühere Pferdebesitzerin und heute Berichterstatterin aus dem Reitsport - Autorin, Redakteurin und Inhaberin von Reiterzeit.de