Stangentraining mit Pferden – therapeutischer Nutzen?

Gesundheit / Krankheiten

Pferdebesitzer können Stunden damit verbringen, die Gangarten und das Verhalten der Pferde unterm Sattel mit Übungen zu verbessern, aber da ist noch viel mehr das wir nicht über die Feinheiten der Gangart eines Pferdes wissen. Diese Wissenslücke macht es schwierig, die wahren Auswirkungen bestimmter Übungen in der Reiterroutine zu analysieren.

Stangenarbeit als Therapieform

Forscher der Michigan State University haben vor kurzem ein paar Studien durchgeführt und dabei analysiert und verglichen, wie sich die Beine und Gelenke eines Pferdes während der Schwingphase bewegen (wenn sie durch die Luft nach vorne gehen) und wenn das Bein mit dem Huf in der Haltungsphase auf dem Boden steht und das Gewicht trägt. Beides wurde sowohl über dem ebenen Boden als auch über den Stangen analysiert.

Symbolbild
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Die Studienautorin Hilary Clayton sagt, dass viele Trainer die Bodenricks nutzen, um die technischen Fähigkeiten zu verbessern, während die Tierärzte und Therapeuten sie nutzen, um Pferde nach Verletzungen und neurologischen Erkrankungen zu rehabilitieren.

„Therapeuten verwenden eine Augen-Huf-Koordinationsübung, um Pferde nach neurologischen Erkrankungen zu rehabilitieren“, sagte Clayton. „Dazu gehören Schritt und Trab – über, um oder zwischen den Stangen bzw. Cavaletti. Die Herausforderung für das Pferd ist es, das Objekt zu sehen, zu planen wo es hintreten muss und dann die neuromotorische Kontrolle verwenden, um die Füße richtig zu platzieren.“

Obwohl diese Praxis bewährt und erfolgreich ist, wissen die Wissenschaftler nicht warum und wie gut es funktioniert, deshalb wollten sie die Besonderheiten untersuchen. Die Forscher haben Marker an verschiedenen Punkten der Pferdebeine befestigt, um die Höhen und Winkel der Gelenke zu messen während sie über Stangen am Boden, halbhohe und ganz aufgestellte Cavalettis trabten. Einige Marker haben das Gewicht auf jedem Pferdebein aufgezeichnet (zur Messung der Kraft), als sie über die Stangen liefen.

Sie bemerkten ein paar Punkte von besonderem Interesse:

  • Wenn die Pferde über die Stangen trabten, beugten sie all ihre Gelenke mehr, als dass sie ihren Körper höher stemmten. Da Pferde den Körper über den Stangen nicht höher heben, erhöht sich die vertikale Kraft zwischen Huf und Boden nicht. Dies weist darauf hin, dass es keine erhöhte Gewichtsbelastung gibt – ein Punkt, der problematisch werden könnte, wenn Pferde Verletzungen erlitten haben.
  • Auf der Grundlage der gemessenen Winkel und Kräfte ist es unwahrscheinlich, dass die Weichteile des Beins mehr belastet sind, wenn die Pferde über Stangen traben verglichen mit dem Trab über ebenen Boden.

Stangen zur Beugung der Gelenke

Ähnlich dem Menschen lernt das Pferd über die Bewegungen des Körpers, über Hindernisse wie z. B. Stangen zu gehen.

„Während der ersten paar Male über die Trabstangen neigen Pferde dazu, in ihrer Bewegung zu übertreiben und die Hufe höher anzuheben als nötig“, erklärte Clayton. „In der Praxis lernen sie dann, dass sie ihre Hufe nicht so weit anheben und sich damit weniger anstrengen müssen.“

Der reduzierte Aufwand bedeutet aber nicht, dass die Übung im Laufe der Zeit ihre Wirkung verliert, jedoch: die Höhe der Beugung der Gelenke ist immer noch höher bei Stangen als bei ebenem Boden, so dass die Übung im Bewegungsbereich vor allem Pferden hilft, die sich von einer Lahmheit erholen, sagt Clayton.

Wenn Pferde nach einer körperlichen Krankheit wieder symmetrisch im Trab laufen, empfiehlt Clayten die Cavaletti-Arbeit als gute Therapie während der Reha.

Sie wies darauf hin, dass die Studie mit Pferden durchgeführt wurde, die einwandfrei im Trab liefen und der Effekt bei kranken bzw. unsauber im Trab laufenden Pferden nicht untersucht wurde. Daher sollte nicht mit dem Trabstangen-Training begonnen werden, bevor der Tierarzt bestätigt, dass das Pferd in einem zufriedenstellenden gesundheitlichen Zustand ist.

Dazu kommt, dass die Studie nicht die Auswirkungen der Arbeit mit älteren Pferde berührt. Clayton sagt, dass es allerdings sinnvoll wäre, da die Ausübung mentale und körperliche Vorteile bringen könnte, unter der Voraussetzung, dass die älteren Pferde gesund sind.

Quelle: Michigan State University